Die neue Buhlschaft als Medea

Theater-Kritik

Die neue Buhlschaft als Medea

Stefanie Reinsperger brilliert als Kindsmörderin Medea im Volkstheater.

Stefanie Reinsperger spielt die Medea, und die deutschsprachige Theaterwelt versammelte sich im Volkstheater, um diesem Ereignis beizuwohnen. Die 28-jährige Niederösterreicherin, die 2015 von der Branchenfibel Theater heute zur Schauspielerin des Jahres gewählt und mit dem Nestroy als Bester Nachwuchs ausgezeichnet wurde, ist eine Urgewalt, eine Bombenschauspielerin mit irrsinnigem Temperament und stupender Begabung. Im Sommer wird sie an der Seite von Tobias Moretti im Salzburger Jedermann die Buhlschaft spielen.

Tragödie. Grillparzers Trilogie Das goldene Vlies basiert auf der Tragödie des Euripides um die fremde Zauberin aus Kolchis, die mit dem Argonauten Jason das goldene Vlies gewonnen hat und nach Griechenland folgt. In Korinth verbindet sich Jason mit der Königstochter Kreusa und verstößt seine Frau. Medea tötet Kreusa und dann ihre beiden Kinder.

Anna Badora packt Passagen aus den ersten Teilen der Trilogie in ihre überladene Inszenierung, in der nur die Szenen mit Reinsperger zünden. Hinreißend gerät der Tanzunterricht, bei dem Kreusa (Evi Kehrstephan) versucht, der wilden Kolcherin Anmut zu vermitteln, die finale Auseinandersetzung mit Jason (Gábor Biedermann), der Rausschmiss durch König Kreon (Günter Franzmeier), der irrsinnige Entschluss zum Mord an den Kindern und schließlich Medeas Auftritt mit Walzerschritten und den toten Knaben auf den Schultern.