Schauspiel-Comeback in Wien: Felix Mitterer als Kafkas Affe

Menschwerdung als Leidensweg

Felix Mitterer glänzt als Kafkas Affe

Mime feiert mit Kafka-Stück Gastspiel im Wiener Stadttheater Walfischgasse.

Einen Wiedererkennungseffekt gibt es nicht: In dem Affen Rotpeter, der in seinem "Bericht für eine Akademie" die Geschichte seiner Menschwerdung als Leidensweg erzählt, den bekannten Tiroler Autor Felix Mitterer auszumachen, ist nahezu unmöglich. Perfekte Maske, eindrucksvolle Körpersprache und verstellte Stimme lassen kaum glauben, dass es der zum Vielschreiber gewordene schauspielerische Autodidakt ist, der nach fast drei Jahrzehnten wieder auf der Bühne steht. Nun gastiert die Kafka-Produktion der Tiroler Volksschauspielen Telfs, mit der Mitterer im Sommer sein Bühnencomeback gab, im Stadttheater Walfischgasse. Bei der gestrigen (30. Jänner)  Gastspiel-Premiere wurde Mitterer von seinen Wiener Fans gefeiert.

Mitterer umjubelt
Ein Käfig dient gleichzeitig als Vortragspult, rundherum gibt ein Gestänge Gelegenheit für zwei, drei kurze Leibesübungen (Bühne: Karl-Heinz Steck). Herzergreifend erzählt Rotpeter die Geschichte seiner Gefangennahme und seines Transportes nach Europa, auf dem er lernte, wie Menschen zu spucken, zu rauchen und Schnaps zu trinken. Der Affe hat in seinem Überlebenskampf den einzigen Ausweg gewählt und sich perfekt assimiliert. Vor die Wahl zwischen Zoo und Zirkus-Karriere gestellt, entschied er sich für Letztere. Als gefeierter Varietékünstler muss er, alt und ausgelaugt, weiterhin durch die Lande tingeln und den Menschen den Affen machen. Bald wird es ein schreckliches Ende nehmen. Hitler steht vor der Türe.

Auch als Sänger auf der Bühne
Mitterer hat von "Hoppla, jetzt komm ich!" bis zu "Ein Freund, ein guter Freund!" einige Schlager der 20er- und 30er-Jahren ausgesucht, die er in Zwischenspielen ansingt. Dass Siggi Haider (Harmonika) und Juliana Haider (Saxophon) neben der musikalischen Begleitung auch den Part übernommen haben, den unwilligen und müden äffischen Künstler immer wieder auf die Bühne zurückzujagen, wirkt überinszeniert. Die existenzielle Verzweiflung, die Darstellung der conditio humana anhand eines humanisierten Affen, funktioniert auch ganz ohne Beiwerk.

Aller letzte Bühnenrolle
Dies sei seine allerletzte Bühnenrolle, hatte Mitterer, der am 6. Februar seinen 65. Geburtstag feiert, im Vorfeld versichert. Er müsse sich endlich auf seine vielen Fernseh-Drehbuchaufträge konzentrieren. Schon im kommenden Sommer wird er seinem Vorsatz ein wenig untreu: In Telfs wird er wie einst bei der Uraufführung die Hauptrolle in seinem Stück "Kein Platz für Idioten" übernehmen.

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