Flotter "Bettelstudent" eröffnete Seefsetspiele

Große Premiere

Flotter "Bettelstudent" eröffnete Seefsetspiele

Neo-Intendantin Dagmar Schellenberger mit Bühnenklassiker gefeiert.

Schwung- und gefühlvolle Melodien, platziert auf der von Wasser umgebenen Bühne, dargeboten von hervorstechenden Solisten, flott geführt (Uwe Theimer) und flott gespielt. So arm der "Bettelstudent" im gleichnamigen Stück von Carl Millöcker auch ist, umso reicher war die heurige Inszenierung der Seefestspiele Mörbisch, die am 11. Juli Premiere gefeiert hat. Die sichtlich nervöse Neo-Intendantin Dagmar Schellenberger konnte das Stück gelassen vom Zuschauerraum beobachten und zusehen, wie von Szene zu Szene mehr und mehr ein neues Zeitalter in Mörbisch anbricht, das vom Publikum wohlwollend aufgenommen wird.

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Alle Versprechen gehalten
Schellenberger hielt in vielen Punkten, was sie zuvor versprochen hatte: Eine kurz gehaltene Produktion, die an weiteren Operettenabenden etwa um 23.30 Uhr endet - sehr sympathisch und äußerst zuschauerfreundlich -, ein Neusiedler-See-freundliches Bühnenbild und Mörbisch weiterhin als Mekka der Operette. "Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt" - und in der Operette. Um Krieg, Rache und Liebe geht es auch in Millöckers Stück. Ein verschmähter Oberst Ollendorf - er erinnert an Ludwig XIV - rächt sich an seiner angebeteten Laura. Er intrigiert, spielt Amor für die heiratswillige Komtesse (aber bitte nur Herren aus reichem Hause) und jubelt ihr einen als eben solch getarnten Herren unter. Am Ende ist Krakau, in dem man sich befindet, befreit und die Liebe siegt - auch ohne Geld.

Großes Bühnenspektakel
Die Inszenierung von Ralf Nürnberger glänzt im dramaturgischen Aufbau. Ob gewollt oder nicht: Mit flachem Humor und seichten Witzen gestartet, steigert sich das Stück immer weiter, ehe es auf dem Höhepunkt steht und zurecht mit tosendem Applaus bejubelt wird. Ob ein Enterich in so hohem Ausmaß sächseln muss, dass man sich nicht entscheiden kann, ob es nervt oder ob es deswegen gar schon wieder lustig ist, ist zu bezweifeln. Ob man Schlumpf-ähnliches Gefolge des Enterich wirklich gar so dämlich darstellen muss, ebenso. Lässt man nach dem Schlussapplaus die heurige Produktion allerdings Revue passieren, so sind diese Kleinigkeiten leicht zu ertragen.

Starke Stimmen vor großer Kulisse

Besonders Cornelia Zink bezaubert als Laura, singt sich mit Bravour in die Höhen und in die Herzen der Zuschauer. Beim direkt aufeinanderfolgenden Duett-Duell von Daniela Käln (Bronislawa, Lauras Schwester, Anm.) und Gert Henning Jensen (Sekretär Jan, Anm.) mit "Nur das eine bitt' ich dich" sowie Zink und "Bettelstudent" Mirko Roschkowski mit "Soll ich reden, darf ich schweigen? - Ich setz' den Fall" begeistern beide Sanges- und Liebespaare mit Stimme und Gefühl. Mit viel Witz und besonders authentisch brachte Henryk Böhm als Oberst Ollendorf "Ach ich hab' sie ja nur auf die Schulter geküsst".

Bühnebild rundete Vorstellung ab
Yadegar Asisi hält sich wie auch Regisseur Nürnberger mit seinen Bühnenbildern an den dramaturgischen Aufbau. Geschickt wird geschoben und gefaltet, die Palette reicht von der etwas lieblosen, wenngleich auch bunten Mauer bis hin zur in stimmungsvolles Licht getauchten herrschaftlichen Umgebung. Besonders schön sind die Zwischenräume, die dem Publikum einen Blick auf den hinter der Bühne liegenden Neusiedler See gewähren.

Prachtvolle Kleider entührten auf Zeitreise
Kostümbildnerin Susanne Thomasberger hüllte Solisten, Tänzer und Statisterie in Rokoko-Kleider. Dass nicht alle gut saßen, musste Zink ungewollt zeigen: Ihr rutschte der Rock runter. Die Sopranistin meisterte dies allerdings gekonnt, sodass das Missgeschick zunächst nicht unbedingt als nicht geplant auffiel. Schellenberger meinte dazu später: "Das passiert, das ist live" und fügte lachend im APA-Gespräch nach der Premiere hinzu: "Ich war froh, dass sie einen Unterrock anhatte", so die gelöste Intendantin, die - "Sie wissen schon warum" - zusätzliche Nervosität geplagt hatte.

   Denn ihr Vorgänger und quasi "Mekka-Macher" Harald Serafin, vor Schellenberger 20 Jahre lang Intendant und Aushängeschild der Seefestspiele, hatte sich Tage zuvor medial über seine Verabschiedung oder ihm zufolge wohl eher Abspeisung echauffiert und wie angekündigt die Premiere nicht besucht. Der - so mögen es ihm manche unterstellen - Versuch, auch 2013 noch einen Teil des Mörbisch-Kuchens abzubekommen, scheiterte jedoch: Geredet - und das im positiven Sinne - wurde nämlich nicht über die Vergangenheit (Festreden mit Rückblick auf die bereits vergangenen 55 Jahre Seefestspiele ausgenommen), sondern über die Gegenwart und Zukunft.

Neuer Stempel für Festspiele
Schellenberger gelang es am Donnerstag, den Seefestspielen den von ihr zuvor so häufig angekündigten Stempel aufzudrücken. Operette pur, die Musik, das Schauspiel standen im Zentrum. Nur gegen Ende konnte man dann doch nicht auf Pyrotechnik verzichten. Und welch ein Glück: Mit farbenprächtigen Wasserspielen und dem zeitgleich geschossenen Feuerwerk verabschiedete man die Premierengäste in die etwas kühle Sommernacht. Hätte man es nicht gewusst, der Schluss hätte auch in die bekannte Spieler-Metropole der USA gepasst. Viva Las Mörbisch!

Info

"Der Bettelstudent" von Carl Millöcker, Seebühne Mörbisch, bis 24. August 2013, Informationen im Internet: www.seefestspiele-moerbisch.at.

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