Welser-Möst

Herbe Klangschönheit

Welser-Möst mit Wiener Philharmonikern in Graz

Warme Farben bei Schubert,  archaische Kraft bei Bruckner im Stephaniensaal.

Die Wiener Philharmoniker sorgten am Donnerstag unter der subtilen Stabführung von Franz Welser-Möst im Grazer Stephaniensaal bei einem Konzert des Grazer Musikvereins mit Symphonien von Schubert und Bruckner für bemerkenswerte Klangerlebnisse. Die sechste Symphonie von Franz Schubert erklang makellos und transparent, anschließend durfte die Vierte von Anton Bruckner in diesem Konzert des Grazer Musikvereins ihre ganze überwältigende Fülle fernab jeder Sentimentalität zeigen.

Schubert mit den Wiener Philharmonikern
Schuberts Symphonie Nr. 6 in C-Dur eröffnete das Programm. Das knapp halbstündige Werk begann mit effektvollem Auftakt, war aber wohldosiert in Lautstärke und Tempo. Die ausgewogenen Streicher wurden immer wieder von Bläsern kontrastiert, aber nie erdrückt. Im zweiten Satz formte Welser-Möst ein strenges, in starken Farben gehaltenes Bild, in dem immer wieder warme Töne aufblühten. Nach dem fast abrupten Schluss des dritten Satzes begann der vierte luftig und transparent und rundete dadurch das Bild harmonisch ab.

BrucknersSymphonie Nr. 4 mit kraftvollen Tönen
"Extrem laut und unglaublich nah" war dann anschließend die Wiedergabe von Bruckners Symphonie Nr. 4 in Es-Dur in der dritten Fassung. Kraftvolle Töne und berührende Intimität waren zu spüren, wobei gerade bei den lauteren Passagen das präzise Spiel besonders der Bläser für ein klares Klangbild sorgten. Die Streicher und ihr ausgewogenes Zusammenspiel kamen im zweiten Satz sehr schön zur Geltung, wo wiederum die zunächst zarten, weich pulsierenden Bläser sehr klare Akzente setzten. Welser-Möst ließ Bruckners "Romantische" als fast archaisch anmutendes Werk mit vielen feinherben Zwischentönen erklingen, wobei er weder vor lauten Tönen noch vor scharfen Kanten zurückschreckte, daneben aber auch sehr innige Momente entstehen ließ.

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