Hofreitschule wieder unter Beschuss

Qualitätsverlust

Hofreitschule wieder unter Beschuss

"Freundeskreis" lässt mit harter Kritik an der Hofreitschule aufhorchen.

Der neu gegründete Verein "Freundeskreis der Spanischen Hofreitschule" hat am Donnerstag eine Aufwertung der Hofreitschule sowie mehr Qualität bei den Vorstellungen gefordert. "Die Spanische Hofreitschule ist ein Kulturgut und wir wollen, dass sie etwa einer Wiener Staatsoper gleichgestellt wird", unterstrich Vereinssprecher Josef Offenmüller bei einer Pressekonferenz. Der "Freundeskreis" hat schon in den vergangenen Jahren immer wieder mit Kritik an der Hofreitschule die Öffentlichkeit aufhorchen lassen.

Qualitätsverlust
Seit der Ausgliederung aus dem Bundesbudget 2001 würde nämlich in der Hofreitschule wie auch im Bundesgestüt Piber gespart werden, erklärte Offenmüller. Unter Hofreitschul-Generaldirektorin Elisabeth Gürtler, die seit 2007 die Geschäfte der Hofreitschule führt, sei etwa die Anzahl der Vorführungen erhöht worden. "Darunter leidet aber die Qualität. Denn, wenn es mehr Vorführungen gibt, bleibt weniger Zeit fürs Training", so Offenmüller. Dabei müssten aber Pferde und Bereiter ins Zentrum gerückt werden, damit die hohen Qualitätsstandards erfüllt werden könnten.

Es fehlt an Präzision

Der "Freundeskreis" untermauerte seine Vorwürfe mit einem Video-Vergleich: Zwischen einer "Galavorführung bei der Wiener Festwocheneröffnung" aus dem Jahr 1993 und der "Galavorführung am Heldenberg" im vergangenen Juli sehe man deutlich den bemängelten Qualitätsverlust, betonte der Vereinssprecher. "Vor allem in der Quadrille fehlt es an Präzision in der Linienführung und in der Synchronisation", bestätigte Günter Zeman, erster Vizepräsident des Vereins. Zudem würden Abstände zwischen den Pferden nicht eingehalten.

Weltkulturerbe
Die Sorge des "Freundeskreises" ist dementsprechend groß, denn: Die Hofreitschule sei ein Aushängeschild für die österreichische Kultur und den Tourismus, fuhr Offenmüller fort. Daher forderte er, dass die Reitschule und das Bundesgestüt Piber in das Weltkulturerbe aufgenommen werden. Der Grund dafür: Die beiden Institutionen sollen dadurch in die Zuständigkeit des Kulturministeriums und nicht wie bisher des Landwirtschaftsministeriums fallen. "Nur, weil es hier um Pferde geht, hat das nichts mit der Landwirtschaft zu tun", argumentierte Offenmüller. Folglich wäre die Finanzierung eine leichtere, weil dann die Hofreitschule als Kulturgut eher subventioniert werden würde, als es jetzt der Fall sei, erklärte Offenmüller. Derzeit befindet sich die Reitkunst der Hofreitschule "nur" in der Liste des immateriellen Weltkulturerbes.

Weniger Vorführungen
Neben der Neuregelung der Subventionierungsfrage soll auch die Anzahl der Vorführungen reduziert werden, um wieder mehr Zeit fürs Training zu haben. Auf die Frage, wer künftig das Sagen in der Reitschule haben sollte, meinte Offenmüller: "Wir bemängeln nicht die Geschäftsführung - die kennen wir kaum - aber den Zustand, das Ergebnis." Wünschenswert wäre jedenfalls, dass Oberreiter die Hofreitschule in allen Bereichen - bis auf die kommerziellen - leiten sollten.