Grazer Oper  zeigt "Falstaff" als farbenprächtigen Spaß ohne Tiefgang

Verdi-Oper

Grazer Oper bringt knalligen "Falstaff

Das Garzer Opernhaus würdigt Verdi mit einem bunten "Falstaff".

In einer quietschbunten Zirkuswelt siedelte Regisseur Tama Matheson seine Grazer Inszenierung von Giuseppe Verdis "Falstaff" an und setzte damit ausschließlich auf die heiteren Aspekte der Geschichte. Die Sänger konnten bei der Premiere Samstagabend (19. Jänner) mit der quirligen Regie zumindest darstellerisch Schritt halten, musikalisch hätte man sich mehr Präzision gewünscht. Johannes Fritzsch konnte am Pult des Grazer Philharmonischen Orchesters vor allem in den kraftvollen Passagen überzeugen, das Feinnervige der Musik verlor sich dagegen etwas.

Ein grell und buntes Treiben
Die Welt im Zirkus Falstaff ist grell und bunt, wobei die klaren Farben und fast strengen Linien im Bühnenbild von Peter Corrigan zunächst das Auge durchaus erfreuen. Da wird nicht an Lichterketten gespart, und auch nicht an glitzernden Stoffen, und für den Zirkus passt das schon. Doch es gibt keinen Gegensatz zur bürgerlichen Welt, dort gehen sie womöglich noch schräger gekleidet daher und dann wird das Konzept problematisch. Denn Spaß allein und im Übermaß läuft ins Leere, und genau das tut diese Inszenierung schon nach kurzer Zeit.

Falstaff mit Glühwürmchen-Romantik  
Falstaff ist nichts weiter als ein adrett herausgeputzter, liebenswürdiger Lebemann, die Frauen wirken so, als würden sie ohnehin gut in seine Welt passen und das letzte Bild im Wald driftet in eine merkwürdige Glühwürmchen-Romantik ab, die dann auch wieder fehl am Platz wirkt. Ford erscheint in einem Pelzmantel-Aufzug wie ein russischer Oligarch und benimmt sich auch so - wer könnte es Alice verdenken, wenn sie lieber den Zirkusdirektor nehmen würde?

Falstaff verzabete stimmlich
Abgesehen von der Inszenierung war auch die musikalische Umsetzung nur bedingt gelungen. James Rutherford wuchs nach einem schwachen Beginn in den Falstaff hinein und überzeugte besonders gegen Ende auch stimmlich. Als Alice konnte Margareta Klobucar mit resolutem Spiel und sicherem Gesang punkten. Sehr gut auch Andre Schuen, der seinem Ford fast dämonische Züge verlieh, was zwar seltsam, aber immerhin interessant war. Ordentliche Leistungen lieferten auch Taylan Reinhard (Dr. Cajus), Martin Fournier (Bardolfo) und Wilfried Zelinka (Pistola) ab, Silvia Beltrami steuerte eine lebhaft Mrs. Quickly bei. Nett, aber in jeder Hinsicht unauffällig Nazanin Ezazi als Nannetta, mit sicherem Tenor gestaltete Abdellah Lasri den jungen Liebhaber Fenton. Eine wenig glückliche Wahl war Xiaoyi Xu als Meg Page, deren Schwächen vor allem in den Ensemble-Szenen - die teilweise ganz besonders an mangelnder Präzision litten - auffielen.

(von Karin Zehetleitner/APA)

Info
"Falstaff" von Giuseppe Verdi in der Grazer Oper wird noch am 23.Jänner, sowie am 2., 7., 10. und 15. Februar 2013 aufgeführt. Alle Informationen sowie Tickets erhalten Sie unter  www.oper-graz.at.

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