Handkes Absage an die Liebe

Theaterkritik

Handkes Absage an die Liebe

„Die schönen Tage von Aranjuez“ hatte im Wiener Akademietheater Premiere.

„Es gibt keine glückliche Liebe“, sagt der Mann in Peter Handkes Sommerdialog Die schönen Tage von Aranjuez. Der Titel zitiert die Eingangssätze von Schillers Don Carlos: „Die schönen Tage in Aranjuez sind nun zu Ende … Wir sind vergebens hier gewesen.“

An einem schönen Sommertag, „vielleicht dem letzten Sommertag überhaupt“, sitzen ein Mann und eine Frau, zunächst mit spanischen Halskrausen an Elisabeth und Marquis Posa gemahnend, vor einem Theatervorhang an einem Gartentisch und sprechen über die Liebe. Mit Anklängen an die Bibel, die griechische Tragödie und Tennessee Williams erinnert sich die Frau an ihren ersten Sex als Zehnjährige auf einer Schaukel unterm Apfelbaum. Er erzählt von einer Reise zur Sommerresidenz der spanischen Könige, wo er beim Haus der Landarbeiter wilde Früchte aß.

Komisch
Der große Jens Harzer, in Luc Bondys Inszenierung durch ständig neue Verkleidungen zum Teil sehr komisch, spielt den Mann: ein fiebriges, zerquältes, seltsam ruhiges, verstört in die Welt blickendes, aber gleichzeitig lauerndes, schmächtiges Wesen. Seine arhythmisch pointierte Art des Spielens und Sprechens erinnert an die Kunst von Bruno Ganz.

Seine kongeniale Partnerin ist Dörte Lyssewski in der Rolle der Frau, die ihre erotische Biografie, ihre Niederlagen, ihre Angst und Unsicherheit furios zur Darstellung bringt. – Bravos.

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