Eine szenische Belanglosigkeit

Opernkritik

Eine szenische Belanglosigkeit

Theater an der Wien: Bolschoi-Chef Vassily Sinaisky dirigiert zwei Meisterwerke.

Der Sowjetstern leuchtet über der Unterwelt. Die dorthin verstoßen wurden, müssen, wie es heißt, „alle Hoffnung fahren lassen“. Alles klar? So viel zur sonst eher abstrakten Szenengestaltung bei Francesca da Rimini, einem Opern-Einakter von Rachmaninow, der Dantes Inferno thematisiert.

Blinde
Zuvor Iolantha von Tschaikowsky. Eine Blinde, die geheilt wird durch die Zuneigung eines Mannes, der ihr die täglichen Schönheiten sichtbar macht. Spielt im 15. Jahrhundert, in einem zauberhaften Garten. Hier, im Theater an der Wien, in einer weißen, sterilen Mini-Architektur. Die Gefährtinnen der Iolanta sind Dutzende Krankenschwestern. Wer aufmerksam die Musik dieser beiden Meisterwerke hört, assoziiert mit ihr ganz andere intensive Bilder.

Modisch
Doch Regisseur Stephen Lawless will nicht als altmodisch gelten. Daher zeigt er uns lieber eine atmosphärisch falsche, aber zeitgemäße Inszenierung von erschreckender Beiläufigkeit und Belanglosigkeit. In einem Ensemble, dessen vorwiegend russische Baritone und Bassisten in stetem Fortissimo das Ohr penetrieren, gefällt das Liebespaar. In beiden Stücken sind einzig Olga Mykytenko und Saimir Pirgu imstande, ihre großen Duettszenen als das zu gestalten, was diese zwei Opern sind: ein Hymnus auf jede Art von großer Liebe. In ihrem leidenschaftlichen, nuancenreichen Gesang vernimmt man den Herzschlag der Musik.