Paolo Conte

Jazz Fest Wien

Jubel für den Altmeister Paolo Conte

Er begeisterte Fans mit Best-of seiner Stilfusionen und Kauderwelschlyrik.

"Frauen hassen Jazz" lautet eine Liedzeile aus Paolo Contes Klassiker "Sotto le stelle del jazz" - ein Umstand, der sie jedoch nicht davon abzuhalten scheint, zur Größe des gepflegten Eurojazz zu pilgern, wenn diese eines ihrer Livekonzerte gibt. Jedenfalls fanden sich am Montagabend Fans jedweden Geschlechts und aller Altersstufen zum Auftritt von Paolo Conte im Rahmen des Jazz Fests in der Wiener Stadthalle ein - und erlebten einen Abend des fein austarierten Ensemblespiels bei einem Best-of des Altmeisters.

Altes wie Neues
Der 76-jährige Conte kombiniert in seinem eigenen musikalischen Kosmos spanische Folklore mit Swing und Chanson, Klezmer mit Soul - immer überbrummt von seinem klassisch-heiseren Timbre, so rauchig wie ein abgehangener Schinken. Im Conte'schen Sprachenkauderwelsch zwischen Italienisch, Französisch und Englisch mischt sich dabei stets seine charakteristische Lautmalerei, mit der er auch für das Jazz-Fest-Publikum seine Klassiker von "Max" bis zu "Come di" würzte. Der größte Publikumsliebling ist und bleibt aber sein kurzes "Via con me" aus 1981, das sogar zum Mitklatschen anregte.

Für das Livekonzert hatte der Cantautore seine Stücke meist mit einem neuen Präludium versehen und oftmals den gesamten Habitus in Richtung Tanzbarkeit gebürstet. Mehrheitlich auf schnellere Lieder setzend, gestalteten sich die gut zwei Stunden des Abends rastlos. Die dauerhaft sinnierende Melancholie ist nicht die Welt des singenden Poeten, der sich für den Auftritt seine seit langem eingespielte zehnköpfige Band an die Seite geholt hatte.

Standing Ovations
Genauer gesagt handelt es sich bei den Conte-Kollegen allerdings um ein zwanzigköpfiges Orchester, da beinahe jeder der Musiker mehrere Instrumente spielt, weshalb sich das Instrumentenspektrum deutlich erhöht. Da eilt der Saxofonist zum Akkordeon, greift der Gitarrist zur Trompete oder wechselt der Schlagzeuger zur Marimba. Somit gelingt es Conte, den oftmals bei kleinen Bands eintretenden Effekt zu vermeiden, dass sich über einen Abend ob der begrenzten Möglichkeiten viele eigentlich unterschiedliche Werke stilistisch angleichen.

Und auch die Entscheidung, die Zahl der Solistenimprovisationen auf ein breitenverträgliches Maß zu reduzieren, wurde goutiert. Am Ende standen stehende Ovationen für den Altmeister, der sich dennoch nur zu einer Zugabe bewegen ließ und mit einer unmissverständlichen Geste des Kehledurchschneidens den Abend lächelnd für beendet erklärte. Und einem Paolo Conte widerspricht man nicht.