Sopranistin Prohaska sucht Metal-Band

Härtere Klänge

Sopranistin Prohaska sucht Metal-Band

Die Sopranistin schwärmt privat für harten Sound und Heavy-Meta Töne.

Für Anna Prohaska läuft es derzeit richtig rund: Die 1983 geborene Sopranistin veröffentlicht gerade mit der Barockeinspielung "Enchanted Forest" ihre zweite Solo-CD beim Renommierlabel Deutscher Grammophon, wo auch gerade ihre "Lulu"-Suite von den Salzburger Festspielen 2011 unter Pierre Boulez veröffentlicht wird. Überdies feierte sie am Sonntagabend (17. März) im Theater an der Wien ihr umjubeltes Haus-, Rollen- und Wiener Operndebüt als Marzelline in Beethovens "Fidelio" unter Nikolaus Harnoncourt. Und der Kultursender arte ehrte die Künstlerin zur besten Sendezeit mit einer Dokumentation unter dem Titel "Die Fabelwelten der Anna Prohaska".

Sopranistin im Talk
Mit der APA sprach die quirlige Berliner mit österreichischem Vater und irisch-englischer Mutter über die Freiheit, die Stimme auch mal hässlich klingen zu lassen, Nikolaus Harnoncourt als Anti-Snob, ihre Abneigung gegen Nacktsein auf der Bühne und ihren Wunsch, einmal von einer Heavy-Metal-Band entdeckt zu werden.

Hier das Interview

APA: Sie haben Nikolaus Harnoncourt einmal als den "Hausgott" Ihrer Familie bezeichnet. Wie ist es, mit einem Gott zu arbeiten?

Anna Prohaska: Das Tolle ist, dass er ein absoluter Anti-Snob ist. Als wir an den Rezitativen gearbeitet haben, meinte er etwa: "Nehmen Sie sich Frank Sinatra als Vorbild." Das sei der Sänger der am textdeutlichsten und dennoch quasi dahingerotzt singen konnte. Es war für mich in der Arbeit sehr beeindruckend, wie frei er mit dem Text umgeht.

APA: Die "Fidelio"-Interpretation Harnoncourts unterscheidet sich ja deutlich von den bisher bekannten. Wie ist es als Sängerin, mit dem Originalklangorchester zu arbeiten?

 Prohaska: Wunderbar, zumal die meisten von uns doch eher lyrische Stimmen haben. Man wird hier mit Klischees konfrontiert, die so nicht stimmen: Der Klang eines Originalensembles streut mehr, ist nicht leiser, sondern breiter. Die Stimme integriert sich mehr in den Klang, was es dann aber wieder schwieriger macht, als Sänger über das Orchester zu kommen. Bei dem Panzerkreuzer eines modernen Orchesters, bei dem alles warm und weich klingt, dringt man mit einer fokussierten Stimme hingegen durchaus gut durch. Harnoncourt spielt mit dem Concentus auf Risiko - und das Gleiche hat er von uns verlangt. Dass es nicht immer dieser geleckte CD-Klang im Klassikbetrieb sein muss, liebe ich. Die Freiheit zu haben, die Stimme auch mal hässlich klingen zu lassen, ist doch als Ausdrucksspektrum sehr interessant!

APA: Sie haben großen Applaus erhalten - Regisseur Herbert Föttinger hingegen ein veritables Buh-Konzert ausgefasst. Wie geht es einem als Kollegin in diesem Moment?

 Prohaska: Man soll das Publikum natürlich immer respektieren, aber man fragt sich schon: Was haben sie denn daran jetzt wieder so anstößig gefunden? Ich könnte mir vorstellen, dass man Operndebütanten wie Herrn Föttinger, der in so vielen anderen Sparten erfolgreich ist, eine Lektion nach dem Motto "Oper ist nicht so leicht" erteilen will. Das finde ich vom Publikum dann auch ein bisschen arrogant. In meinen Augen ist das eine sehr wahrhaftige und handwerklich solide Inszenierung. Und für mich war die Zusammenarbeit wie fünf Wochen Schauspielunterricht, der leider in den Musikhochschulen oft vernachlässigt wird.

APA: Trotzdem machen Sie sehr viel abseits der Opernbühne. Ist das ein wichtiger Ausgleich?

Prohaska:
Auf jeden Fall! Bei einem Liederabend stehe ich als Anna Prohaska seelisch völlig nackt da, auf der Opernbühne kann man sich bis zu einem gewissen Grade hinter Kostüm und Maske verstecken. Und dann fragen einen Regisseure, ob man sich vorstellen könnte, nackt aufzutreten... Ich lege meine Seele doch eh schon bloß: Mein Instrument sitzt mir im eigenen Körper. Da möchte ich nicht außen auch noch alle Hüllen fallen lassen und völlig schutzlos sein.

APA: Sie sind für Barocksängerinnen gleichsam ein grader Michel und arbeiten mit sehr wenig Vibrato. Liegt das Ihrer Stimme?

Prohaska: Mein Vorteil ist, dass ich die Größe des Vibratos ganz gut kontrollieren kann. Gerade wenn man schnelle Koloraturarien singt, hilft ein Vibrato, die Geläufigkeit der Gurgel zu erreichen. Viele machen aber den Fehler, dass sie das dann nicht wieder abschalten können. Andererseits höre ich oft, dass ich die Barockmusik zu expressiv sänge. Wie soll das gehen? Das ist doch die affektgeladenste Musik überhaupt! Aber man kann nicht allen gefallen.

APA: Täuscht der Eindruck, dass Sie Ihr Repertoire bewusst über Barock und Zeitgenössisches ausweiten?

Prohaska: So lange man übers Orchester rüber kommt, warum nicht? "Der Ring" ist für mich der absolute Abschuss, das ist das Größte, auch wenn es da quasi keine Rollen für mich gibt. Aber es macht ja auch nichts, wenn man nicht überall mitsingen kann. Ich will auch einfach mal einen Kulturabend genießen und nicht immer Kolleginnen beurteilen. Und da besteht bei Wagner keine Gefahr, dass ich im Publikum sitze und denke: Wenn ich mal die Brünnhilde singe, dann... (lacht).

APA: Sie hören privat ja auch Heavy Metal und Bluegrass. Würde es Sie reizen, auch mal selbst was in dem Bereich zu machen?

Prohaska: Das ist schon ein Traum seit meiner Schulzeit! Wenn man eine voll fette Gitarren- und Schlagzeugkombo hinter sich hat, oder wie Dimmu Borgir (norwegische Black-Metal-Band, Anm.) mit Symphonikern - ich würde da so gerne als Opernstimme mal mitmachen! Vielleicht bekomme ich mal ein Angebot von einer Metal-Band, die jemanden sucht... Es muss für mich natürlich ideologisch passen und sollte nicht die Ober-Macho-Band oder rechts sein.

APA: Jetzt gibt es seit einigen Jahren einen extremen Hype um Sie. Wie groß ist die Selbstbestimmung im heutigen Klassikgeschäft für eine Künstlerin?

Prohaska: Das Klischee besagt ja immer, dass das skrupellose Management alles übernimmt und man zu einem gesichtslosen Diener der Plattenbosse wird. Aber Quatsch! Ich habe ein ganz junges Team um mich, das sich immer wieder für meine Ideen begeistert und mich nicht zwingt, die schönsten Operettenklassiker aus zwei Jahrhunderten aufzunehmen.

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