Leipziger Buchmesse startet mit Festakt

Österreicher nominiert

Leipziger Buchmesse startet mit Festakt

Preis: Unter den fünf Nominierten sind auch zwei Österreicher.

Der deutsche Buchhandel fürchtet keine Einbußen durch die E-Books und rechnet für dieses Jahr mit stabilen Umsätzen. "Eine erstaunlich unaufgeregte Stimmung in der Branche belegt die Koexistenz von gedrucktem und digitalem Buch", sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, am Mittwoch vor der Eröffnung der Leipziger Buchmesse 2011 (17.-20.3.). Der Umsatz im Jänner stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat in den zentralen Buch-Vertriebswegen um 1,8 Prozent. Die Buchmesse zeigt sich auch solidarisch mit den Opfern der Natur-und Atomkatastrophe in Japan und ruft zu Spenden auf.

Spendenaktion für Japan

Gemeinsam mit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft soll während der vier Messetage von Donnerstag an eine Spendenaktion laufen, kündigte Messe-Geschäftsführer Martin Buhl-Wagner am Mittwoch an. "Wir möchten einfach zeigen, dass wir uns zwar über unsere Veranstaltung freuen, aber zur Hilfe beitragen wollen." Auf der Buchmesse präsentieren sich 2.150 Aussteller. 1500 Autoren lesen aus ihren neuen Werken - tagsüber auf dem Messegelände und abends überall in der Stadt. Gastländer dieses Jahres sind Serbien und Island.


 Mangas spielen große Rolle

Einer der beiden Aussteller aus Japan hat seine Teilnahme an der Bücherschau wegen der dramatischen Lage im Land kurzfristig abgesagt, teilte Pressesprecherin Heike Fischer auf Anfrage mit. Es handelt sich um einen Comic-Verlag aus Tokio. Auch der deutsch-japanische Übersetzerpreis soll mit Rücksicht auf die Katastrophe dieses Jahr nicht verliehen werden. Zudem haben einzelne Referenten aus Japan ihre Teilnahme an Gesprächsrunden und Podien abgesagt. Die Deutsch-Japanische Gesellschaft und die japanische Botschaft wollen bei ihren Veranstaltungen besonders an die Opfer der Katastrophe erinnern. Japanische Mangas (Comics) spielen bei der Buchmesse traditionell eine große Rolle.

Mehr Fläche
"Es gibt eine wunderbare Synergie zwischen den klassischen Verlagen und den digitalen Dienstleistungen", erklärte Buhl-Wagner zur Situation der Buchmesse. Im Vergleich zum vergangenen Jahr seien auf der Bücherschau fünf Prozent mehr Fläche vermietet worden. Viele vor allem kleine Verlage seien erstmals in Leipzig dabei. "Nach der schweren Situation der vergangenen Jahre ist ein klares Bekenntnis der Verlage zur Messe da", so der Messe-Geschäftsführer.

Pollack ausgezeichnet
Die Buchmesse wird am 16.3. um 19 Uhr mit einem Festakt im Gewandhaus eröffnet. Dabei wird der mit 15.000 Euro dotierte Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung an den österreichischen Schriftsteller Martin Pollack verliehen. Der 66-Jährige wird damit laut Jury für sein "einprägsames und richtungsweisendes Werk" ausgezeichnet.

Die Nominierten
Abenteuer, Liebe und Freiheit, aber auch schwierige Themen wie Krankheit und Einsamkeit behandeln die Bücher der Kandidaten für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse. Die mit jeweils 15.000 Euro dotierte Auszeichnung wird morgen, Donnerstag, um 16 Uhr auf der Bücherschau in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung verliehen. Die fünf nominierten Autoren und ihre Werke für die Kategorie Belletristik in einer kurzen Übersicht:

Wolfgang Herrndorf
Der 1965 in Hamburg geborene Schriftsteller schickt in seinem Abenteuerroman "Tschick" zwei 14-Jährige mit einem geklauten Lada auf eine Reise durch den wilden Osten Deutschlands. Der junge Ich-Erzähler Maik lernt eines Tages in der Schule den Russland-Deutschen Andrej Tschichatschow, kurz Tschick, kennen. Die Sommerferien stehen vor der Tür, die beiden zögern nicht lange und der Abenteuertrip beginnt. Herrndorf, der Malerei studierte und danach als Illustrator arbeitete, versucht gar nicht erst, Jugend-Slang zu imitieren. Stattdessen erzählt er mit viel Situationskomik eine Abenteuergeschichte, in der es immer auch um die großen Themen Freundschaft, Einsamkeit oder Liebeskummer geht.

Arno Geiger

Im neuen Buch des Österreichers "Der alte König in seinem Exil" geht es um die Alzheimer-Krankheit des Vaters. Wie ein Sachbuchautor nimmt Geiger sich nach bisher fünf Romanen nun die Krankheitsgeschichte des Vaters und sein Verhältnis dazu vor. Er schildert verschiedene Phasen - von den ersten irritierenden Fehlleistungen bis zum Umzug des alten Mannes in eine Pflegestation. In Rückblenden beschreibt er, wie sich für ihn während der Krankheitsphase ein immer verständnisvolleres Verhältnis auch zu früheren Lebensphasen des Vaters entwickelte. Geiger eroberte mit seinem Werk schnell die Bestsellerlisten, das Thema berührt viele. Für seinen Familienroman "Es geht uns gut" hatte der 42-Jährige 2005 den Deutschen Buchpreis erhalten.

Anna Katharina Fröhlich
Nach "Wilde Orangen" dreht sich auch der zweite Roman der Autorin um träumerische Reisewelten. "Kream Korner" ist ein kleines Restaurant auf dem Dach eines heruntergekommenen siebenstöckigen Zementbunkers irgendwo in Indien. Fröhlich lässt ihre Protagonisten reisen - oder zumindest vom Reisen träumen. Die Ich-Erzählerin lebt mit Onkel und Tante auf einem Anwesen zufrieden auf dem Land in Südfrankreich, wenn nur das Fernweh nicht wäre. Nach dem Tod des Onkels machen Tante und Nichte sich auf den Weg nach Indien. Die Geschichte lebt vor allem von den detailreichen Beschreibungen der jungen Autorin.

Peter Stamm
Völlige Lethargie kennzeichnet die Charaktere in Peter Stamms neuem Werk "Seerücken", benannt nach einem Hügelzug in der Schweiz. Egal, ob es um die Einsamkeit im Urlaub geht, um einen Pfarrer, der mit den Abendmahls-Hostien Vögel füttert, oder um die erste Liebe: Stamms Charaktere sind völlig passiv. Statt zu agieren, stehen sie ebenso fasziniert wie angewidert neben ihrem Leben und sehen zu, wie es in seine Einzelteile zerbricht. Der Schweizer Autor verfasste zahlreiche Hörspiele. Nach seinem Romandebüt "Agnes" im Jahr 1998 veröffentlichte er drei weitere Romane, Erzählsammlungen und einen Band mit Theaterstücken. 2009 erschien sein Roman "Sieben Jahre", eine Dreiecksgeschichte, in der ein Mann viele Jahre lang zwischen seiner Frau und seiner Geliebten emotional gefangen ist.

Clemens J. Setz
In den neuen Erzählungen des 28-jährigen österreichischen Schriftstellers testen eine Menge skurriler Typen die Grenzen ihrer Freiheit aus. Auch von oft gewalttätigen Ausbruchsversuchen aus der Einöde ehelicher Zweisamkeit handeln die 18 Miniaturen des Bandes "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes". In den Erzählungen leben Menschen allein oder sie quälen sich aus Verzweiflung gegenseitig. Setz schreibt nah an der Wirklichkeit und beschreibt dennoch bizarre Traum-Szenarien. Da wachsen einer Frau plötzlich Flügel und ein einsamer Mann freut sich über die Gesellschaft einer nackten Frauenleiche. Setz versteht es, beim Leser Mitgefühl für seine verzweifelten Helden hervorzurufen.
 

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