Leopold Museum: Linie und Form

Erhabenheit der Zeichnung

Leopold Museum: Linie und Form

Schau zeigt 100 Arbeiten auf Papier von Boeckl über Schiele bis zu Rainer.

Es war "Egon Schieles Strich", der Rudolf Leopold derart in Begeisterung versetzte, dass im Laufe der Jahrzehnte über 4.000 Papier-Arbeiten verschiedenster Künstler Eingang in seine 5.700 Werke umfassende Sammlung fanden. Hundert davon - vom obligaten Schiele über Klimt, Kokoschka und Kubin bis hin zu Rainer oder Hollegha - sind nun in der Schau "Linie & Form" im Leopold Museum zu sehen.

Wie die alten Meister
"Dieser Schiele kann so zeichnen wie die Alten Meister - aber zu Themen unserer Zeit", habe der mittlerweile verstorbene Sammler damals gemeint, erläuterte seine Witwe Elisabeth Leopold am Donnerstagvormittag bei der Presseführung. Hundert "Meisterzeichnungen", so der Untertitel der von Interimsdirektor Franz Smola und Fritz Koreny kuratieren Schau, bieten nun einen eindrucksvollen Querschnitt der gesammelten Zeichnungen.

Den Bogen ins unmittelbar Zeitgenössische schlägt die Intervention "Seismogramm der Erregung" des Künstlers Hannes Mlenek, der die Wände der Ausstellungsräume im zweiten Untergeschoß mit roten und schwarzen Kreidezeichnungen - "Körperformen" - überzieht. Manchmal finden sich in den temporären Arbeiten Reminiszenzen an gezeigte Werke, oftmals lösen sich die Striche wiederum in ihrer Abstraktion auf. Zentral ist auch die mehrere Meter hohe Skulptur der linken Hand des Künstlers, die ein Stück Kreide zwischen den Fingern hält. "Die menschliche Hand ist das Hauptwerkzeug der Zeichnung", so der Künstler.


Über 40 Künstler
Die gezeigten Werke von über 40 Künstlern aus der Sammlung Leopold machen laut Smola "die Prozesshaftigkeit des Zeichnens nachvollziehbar", dennoch habe man es bei den Arbeiten mit "autonomen Zeichnungen zu tun, die neben Gemälden bestehen können". Die zahlreichen Facetten zeichnerischen Schaffens werden in "Linie und Form" mehr als deutlich: So finden sich etwa gleich mehrere Zeichnungen Alfred Kubins, die von frühen, furchterregenden Albtraumsequenzen ("Gefahr", 1901 oder "Die Stunde der Geburt", 1901/02) über die gestrichelten Federzeichnungen der "Sansara-Mappe" (1909-1911) bis zum reifen Werk der 1950er-Jahre reichen.

Eingang in die Schau haben aber auch Möbel-Entwürfe von Josef Hoffmann oder Dagobert Peche für die Wiener Werkstätte gefunden. Als roter Faden ziehen sich freilich Akte durch die Ausstellung: Sie reichen von Arbeiten Josef Engelharts aus dem Jahr 1896 über Koloman Moser ("Schreitender männlicher Akt", 1914) bis zu Klimts Studie des stehenden nackten Paars im "Beethovenfries". Nicht fehlen darf Egon Schiele, der mit sieben Werken vertreten ist. Zahlreich sind auch Arbeiten von Herbert Boeckl oder Anton Kolig, der etwa mit der farbenfrohen "Studie zu einem Verkündigungsengel" (1920) und "Zwei liegende männliche Akte" (1927) vertreten ist. Überraschend findet sich in der Schau auch eine sehr frühe Arnulf Rainer-Zeichnung aus dem Jahr 1950, in der eine "nackte Frauengestalt mit viel zu kleinen Extremitäten riesenhaft durch eine karge, windzerzauste Landschaft" schreitet, wie es im Katalog heißt.

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