Neil Shicoff. Pagliacci

Die Kritik

Letzte Chance auf Shicoff als Bajazzo

"Pagliacci" und "Cavalleria rusticana" am Sonntag an der Wiener Staatsoper.

Neil Shicoff hat eine neue Glanzrolle, und das Wiener Opernpublikum hat am Sonntag noch einmal Gelegenheit, den Sensibilissimus unter den großen Operntenören als Titelhelden in Leoncavallos Pagliacci zu bewundern. Mit dem herrlichen Schmelz seines Timbres und der fiebrigen Intensität seiner Darstellung singt er in Jean-Pierre Ponnelles 30 Jahre alter, stimmungsvoller Inszenierung den eifersüchtigen, alternden Clown Canio, der seine junge Frau Nedda und ihren Geliebten Silvio auf der Bühne ersticht.

Leidenschaft
Höhepunkt der Vorstellung ist Canios verzweifelte Arie „Lache, Bajazzo“, bei der sich der Komödiant weinend für seinen Auftritt zurechtmacht: Mit so flammender Leidenschaft wie bei Shicoff hat man das Stück in Wien lange nicht mehr gehört, das Publikum dankte mit Bravo-Geschrei.

Neben Shicoff ist einzig Ambrogio Maestri als Tonio staatsoperntauglich, Inva Mula und Tae-Joong Yang lassen alle Wünsche offen.

Über Mascagnis Cavalleria rusticana mit Michaela Schuster und Fabio Armiliato breite sich der Mantel des Schweigens. Paolo Carignani dirigierte beide Stücke im Dauerfortissimo. (Ab 28. 2. singt Shicoff in „Turandot“ an der Wiener Volksoper.)