loriot

Mit 87 Jahren

"Loriot" Vicco von Bülow ist tot

Bekannt durch Fernsehbeiträge, Filme und zeichnerisches Werk.

Loriot ist tot: Einer der größten deutschsprachigen Satiriker und Humoristen ist in der Nacht auf Dienstag, 23.8., in Ammerland am Starnberger See verstorben. Dies teilte der Diogenes Verlag mit. Der Künstler, der sowohl mit seinen legendären Fernsehbeiträgen als auch zwei Kinofilmen ("Ödipussi" (1987) und "Pappa ante Portas" (1990)) die Zuschauer begeisterte, wurde 87 Jahre alt. Die Bestattung soll im engsten Familienkreis stattfinden.

Film und Fernsehen

Geboren wurde Loriot unter seinem bürgerlichen Namen Vicco von Bülow am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel. Neben seiner Tätigkeit in Film und Fernsehen war Loriot auch für seine satirischen Zeichnungen und Texte bekannt. So erschienen von ihm in fast 60 Jahren 114 verschiedene Bände bei seinem Hausverlag Diogenes, die eine Gesamtauflage von mehreren Millionen Exemplaren erreichten.

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Anlässlich einer Ausstellungseröffnung in Berlin kurz vor seinem 85. Geburtstag 2008: "Seit 85 Jahren ist es mir nicht gelungen einer Arbeit nachzugehen, die man als Beruf bezeichnen könnte."

   Über seine frühen Berufswünsche: "Zunächst wollte ich unbedingt so einen Milchwagen fahren mit zwei Pferden davor. Dann wollte ich Farmer in Afrika werden."

   1931 sah er im zarten Alter von acht Jahren die Kästner-Verfilmung von "Emil und die Detektive" und meinte später dazu bei der Verleihung des Ernst-Lubitsch-Preises 1988 an ihn: "Ich beschloss, mein Leben dem Film zu widmen. Und schon 56 Jahre später war es soweit. Dennoch stimmt es mich nachdenklich, dass Lubitsch in 55 Jahren 65 Filme gedreht hat und ich in 65 Jahren nur einen. Wenn ich in diesem Rhythmus weiterarbeite, dann ist meine Reifezeit als Filmemacher so ungefähr die zweite Hälfte des sechsten Jahrtausends."

   "Ganz nah an der Wirklichkeit und doch einen halben Schritt daneben sein", beschrieb er einmal seine Kunst. "Es gibt nichts Komisches, was positiv ist (...) Ich zeige ja allzumenschliche Dinge, die wirklich jedem passieren und einen großen Wiedererkennungswert haben. Darüber hinaus muss man wach bleiben, nichts als selbstverständlich hinnehmen und sich über alles wundern."

   "Warum sind Humoristen, Satiriker, eben dies ganze Volk, warum sind die im Privatleben nicht komischer als andere? Nun, das liegt einfach daran, dass Humorist genauso ein Beruf ist wie zum Beispiel Sänger oder Politiker (...) Die Tätigkeit eines Humoristen ist eine sehr nachdenkliche Arbeit am Schreibtisch, die ungeheure Konzentration verlangt."

   Auf körperliche Betätigung angesprochen meinte der ehemalige Hochleistungssportler: "Ich gehe kaum spazieren, wandere selten und gucke eigentlich nur aus dem Fenster."

   Über das Alter und das Aufhören im Beruf: "Wenn ich alt und klapprig bin und keinen Gedanken mehr im Kopf habe und nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, dann höre ich auf."

   Über den Rang des Humors in Deutschland: "Natürlich haben die Deutschen genauso viel Humor wie jedes andere Volk auch. Nur ordnen sie das Komische auf ihrer Wertskala ganz woanders ein. Der Komiker ist ganz weit unten. Der Tragöde ist ganz oben."

   "Mir schreiben Leute Briefe mit Erlebnissen, die aus meiner Feder stammen könnten."

   "Komisches herzustellen ist so mühsam, dass keine Heiterkeit für fröhliche Ferien übrigbleibt."

   "Es ging mir um den Wunsch und die Unfähigkeit der Menschen zu kommunizieren."

   "Zahnersatzzusatzversicherung ist der linguistische Höhepunkt der deutschen Verwaltungslust."

   "Bis heute ist die Frage eines leidenschaftlichen Radiohörers nicht endgültig beantwortet worden, warum man die deprimierenden Berichte über das tägliche Weltgeschehen nicht nur hören, sondern auch noch sehen sollte."

   "Auch muss deutlich gesagt werden, dass ein perfekter Werbeblock im Fernsehen seine Wirkung verfehlt, wenn er alle paar Minuten von einem unverständlichen Spielfilmteil unterbrochen wird."

   "Es wird in keinem meiner Filme irgendwo gelacht, nirgendwo. Lachen sollen die Zuschauer."