Muti und seine US-Elitetruppe

Konzertsaison

Muti und seine US-Elitetruppe

Riccardo Muti eröffnet die Konzertsaison im Musikverein mit Chicago Symphony.

Das klingt nicht sehr überzeugend, wenn man immer wieder an ­einen anderen Musiker denkt als jenen, der eben dirigiert. Wenn Riccardo Muti die Fünfte Symphonie von Schostakowitsch als teils sentimentalen, teils knalligen Mix aus italienischer Operntheatralik und amerikanischer Orchesterbrillanz vorführt, dann fällt mir Mariss Jansons ein. Der reflektiert bei seiner Interpretation stets die menschlichen und politischen Hintergründe dieses Komponisten. Muti hingegen gelingt bloß eine zwar effektvolle, aber herzlose und fast anti-russische Präsentation extremer dynamischer Möglichkeiten. Und auch bei ­Richard Strauss fehlen Wärme, Bildhaftigkeit, Emotion. Tod und Verklärung zerfällt in interessante Details, deren Zusammenhang unklar bleibt.

Elitetruppe
Das Chicago Symphony Orchestra erfüllt alle Voraussetzungen einer US-Elitetruppe. Dass die Blechbläser den Streichersound erbarmungslos übertrumpfen, passiert anderen Gastorchestern auch. Muti kennt den Musikverein ­allerdings gut genug und müsste dessen Akustik besser kalkulieren können.