Manker inszeniert "Wagnerdämmerung"

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Manker inszeniert "Wagnerdämmerung"

Nachfolgeprojekt von "Alma" führt in das Innerste des Komponisten.

Düstere Kellerräume, optisch einprägsame Stahlkonstruktionen und Rohrleitungen, brennende Buchstaben: Wenn sich Schauspieler, Regisseur und Bürgerschreck Paulus Manker Richard Wagner vorknöpft, ist bereits im Vorhinein klar, dass das keine leicht zu verdauende Angelegenheit werden dürfte. Nach dem Welterfolg mit dem Polydrama "Alma", das Manker gemeinsam mit Joshua Sobol quer über den Globus führte, steht am 16. Juli die Uraufführung des Nachfolgeprojekts "Wagnerdämmerung" an. Und passend zum Jubiläumsjahr des ebenso genialen wie umstrittenen Komponisten bietet Manker im Wiener K&K Post- und Telegraphenamt einen Blick in Wagners Innerstes.

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Kulisse im Mittelpunkt
"Wie in einer Grottenbahn wandern die Besucher von Abgrund zu Höhenflug", heißt auf der Webseite des Projekts vielversprechend. Dabei begegnet man nicht nur Wagner selbst, sondern natürlich auch seiner Musik, seinen Opern, seinen Figuren und jenen Menschen, die eine entscheidende Rolle in Leben und Karriere des Künstlers gespielt haben. Neben dem Genie wird aber auch die dunkle Seite Wagners nicht ausgespart und sein Antisemitismus ebenso zum Thema.  Wie für Manker üblich ist diese "Wagnerdämmerung" aber nicht statisch rezipierbare Kost, sondern versucht durch eine Kombination aus Schauspielern, Sängern, Tänzern und Live-Musikern alle Sinne anzusprechen - nicht zuletzt den Gaumen, ist im stolzen Kartenpreis von 125 Euro doch auch ein Galadinner inkludiert, "sehr italienisch und ein bisschen kultisch", wie Manker der APA erklärte. Anhand von biografischen Notizen, Briefen und Opern hangelt man sich entlang und begibt sich auf eine "Reise in Richard Wagners Gehirn - ohne Visum", so der Untertitel des Projekts. Wohl kein Abend der leisen Worte, soll doch die Musik des Komponisten gar "unterirdische Droge" sein.

Kein Blatt vor den Mund

Dass Manker kein Mann der dezenten Geste ist, hat er ja bereits mehrfach bewiesen. Als sein Kollege Sobol Anfang April das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien erhielt, sprang der Schauspieler während der Ehrung auf, kritisierte die städtischen Subventionsgeber angesichts der fehlenden Unterstützung für das neue Projekt ("eine Schande") und verteilte gelbe Flugzettel, bevor er aus dem Wappensaal des Rathauses stürmte. Zwar hat das beim Kulturstadtrat keinen Eindruck hinterlassen - Subventionen gibt es auch nicht vom Bund -, doch Manker ließ sich nicht beirren und stellte das Budget für die Produktion aus eigener Tasche.

Neues Stück bereits ausverkauft

Eine Vorfinanzierung auf Schuldenbasis, die quasi zum Erfolg zwingt. Angesichts des Interesses an Wagner im Jubiläumsjahr und nicht zuletzt der vielversprechenden Vorgeschichte mit "Alma" allerdings kein aussichtsloses Vorhaben, wie die Zahlen bereits beweisen. Die ursprünglichen Termine sind bereits ausverkauft, vier zusätzliche Vorstellungen wurden veranschlagt. Außerdem kann Manker auf viele Unterstützer und Sponsoren zählen. "Halb Wien ist beteiligt, damit es zustande kommt", so der Regisseur.

"Wagner-Extase"
Und "Wagnerdämmerung" ist eben nicht nur Theater, sondern mehr: Eine begleitende Ausstellung (ab 17. Juli) ist einerseits Teil des Theatersettings, andererseits eine eigene weite (Keller-)Welt und Auseinandersetzung mit dem Komponisten: Für "Wagner Extase" haben Manker sowie seine Kokuratoren Peter Bogner und Florentina Welley eine sehr ansehnliche Künstlerschar gewinnen können, von Nikolaus Gansterer über Hans Hollein und Hermann Nitsch bis zu Erwin Wurm. Dabei soll die Wechselwirkung zwischen Bühnenbild und Kunst spürbar gemacht werden, kann sich der Besucher doch bereits Stunden vor den Theateraufführungen durch die Räume bewegen.

Wagner bis aufs Innerste interpretiert

In diesen interpretieren insgesamt mehr als 40 Positionen Wagners Werke und Gedankenwelt. Die stilistische Vielfalt reicht dabei von Gemälden über Installationen und Objekt-Figurationen bis zu Lichtskulpturen. Auf der Vorderseite des Gebäudes quillen gar verschiedenste Schaumstoffformen aus den Fenster hervor. In Kombination mit dem Simultandrama entsteht somit ein eindeutiger Bezug auf Wagners Anspruch des Gesamtkunstwerks, transformiert diesen aber aus heutiger Sicht und lässt nicht zuletzt das ehemalige Post- und Telegraphenamt selbst zu einem bestimmenden Faktor werden. Dass dieses Vorhaben zu einem lustvollen und gleichermaßen erfolgreichen Ergebnis führen kann, hat nicht zuletzt "Alma", das Manker im August wieder nach Wien und schließlich im Frühjahr 2014 nach New York bringen wird, gezeigt.

Info
"Wagnerdämmerung" von Paulus Manker, Uraufführung am 16. Juli (19.30 Uhr) im K&K Post- und Telegraphenamt, Börseplatz 1, 1010 Wien. Regie: Paulus Manker, Bühnenbild: Gregor Samsa, Kostüme: Andrea Hammer. Mit u.a. Mirkus Hahn, Michael Gempart, Anna Grigalashvili und Elisabeth Lehmann. Ausstellung "Wagner Extase" von 17. Juli bis 17. August, täglich außer Montag von 13-17 Uhr geöffnet, Konzept: Paulus Manker, Peter Bogner und Florentina Welley. www.wagner200.com

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