I feel Pretty

"I feel Pretty"

Pretty Yende begeisterte in Wien

Südafrikanerin gastierte im Rahmen des "Great Voices"-Zyklus im Konzerthaus.

Wäre Pretty Yende ein Wein, wäre sie eine Rioja - samtig, mit starkem, schweren Unterbau, aber angenehmen, fruchtigen Obertönen. Und ein Wein, der jetzt schon Trinkreife hat, der aber in einigen Jahren noch größerer Potenzial besitzen wird. Seinen derzeitigen "Reifegrad" hat der 29-jährige Sopran-Shootingstar am Samstagabend im Wiener Konzerthaus eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

"Romantik trifft Belcanto"  
Im Rahmen des "Great Voices"-Zyklus unterstrich Yende ihre Position als eine der führenden Vertreterinnen der nachrückenden Sängergeneration. Unter dem Titel "Romantik trifft Belcanto" präsentierte die Südafrikanerin eine Mischung aus Best-of des französischen und italienischen Repertoires wie Charles Gounods "Je veux vivre" über Gaetano Donizettis "Lucia di Lammermoor" sowie unbekannten Preziosen wie einer Zarzuela von Geronimo Gimenez oder Luigi Arditis "Il Bacio"-Walzer.

Mit Zurückhaltung in die Herzen des Publikums
Mit einem frappant dunkelgetönten Sopran ist die Sängerin zugleich mit einer hohen Beweglichkeit in den Koloraturen ausgestattet. Manchmal reicht der Atem bei langen Phrasen nicht völlig aus, bisweilen ist die Tiefe an gewissen Stellen noch nicht vorhanden. Aber diese Stimme wird noch reifen. Dabei liefert Yende nicht die große Show - eine kleine Handbewegung hier, eine laszives Lächeln dort genügen ihr, um das Publikum als Charming-Girl mit großem Charisma für sich einzunehmen. Da stört es auch nicht, dass die ihr zur Seite stehende Prague Philharmonia unter Peter Valentovic sich in der Interaktion mit wiederkehrenden Rhythmusproblemen mühte.

Back to the roots
Mit Leonard Bernsteins "I feel pretty" verabschiedete sich Pretty schließlich von Wien, wo ihre Karriere 2009 begonnen hatte, als sie beim Belvedere Gesangswettbewerb in allen Kategorien obsiegte, bevor sie im Vorjahr als Einspringerin für Cecilia Bartoli im Theater an der Wien nachlegte. Und der gestrige Abend dürfte wohl auch nur eine Zwischenstufe zur ersten szenischen Premiere in Wien sein.

Info
Der "Great Voices"-Zyklus im Konzerthaus, Lothringerstraße 20, 1030 Wien wird am 3. April mit Rolando Villazons Programm "Villazon singt Mozart" und am 15. Juni mit Piotr Beczalas "Dein ist mein ganzes Herz. Hommage an Richard Tauber" fortgesetzt. www.greatvoices.at

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