Cavalleria

Löbl-Kritik

Ringkampf mit großen Tenören

Zwei berühmte Tenöre treten an einem Abend in der Wiener Staatsoper auf. Peter Seiffert und Alberto in "Cavalleria rusticana".

Als Turiddu zu Beginn hinter den Kulissen seine Siciliana sang, hätte ich schwören mögen, einen erstklassigen italienischen Tenor zu hören. Es war Peter Seiffert. Er hat sich die Stimme geschmeidig erhalten, überzeugte als junger Bauer in Cavalleria rusticana dank tenoraler Leidenschaft und prächtiger Höhe.

Dass er, der Handlung entsprechend, Santuzza (Georgina Lukacs) verlassen und sich der jungen, nicht nur vokal angenehmeren Lola (Roxana Constantinescu) zuwenden wollte, hab’ ich diesmal gut verstanden.

Freistil
Die Aufführung der Mascagni-Oper glich einem Freistil-Ringkampf zwischen Chor, Solisten und Orchester. Der Dirigent Marco Armiliato hatte es dann im zweiten Teil des Abends leichter. Im Bajazzo wurde zwar ebenfalls manches musikalisch verschleppt, aber nur José Cura demonstrierte rhythmische Willkür. Als Darsteller ist er ein großartiger Canio, im Ausdruck stets in Hochspannung, doch scheinen ihm Notenwerte egal zu sein. Da er seine guten Partner (Tamar Iveri; ­Tichy, Larsen, Chung) nicht zu irritieren vermochte, blieb Leoncavallos Oper musikalisch im Lot.