Roxette: "Ich war nur noch Krebs"

Marie Fredriksson

Roxette: "Ich war nur noch Krebs"

Roxette-Frontfrau spricht von ihrem Aufstieg & dem Krebs-Desaster.

Roxette-Sängerin Marie Fredriksson hat alles: Reichtum, Berühmtheit, eine liebende Familie. Doch dann, im September 2002, bricht „die Hölle los“, wie die Schwedin in ihrer jetzt auf Deutsch erschienenen Biografie Listen to my heart schreibt. Ihr wird plötzlich schwarz vor Augen, die Ärzte finden später den Grund dafür – einen Gehirntumor.

Viele Jahre kämpft der Star gegen den Krebs an, findet für eine Weile sogar zurück auf die Bühne. Von ihrem Kampf erzählt die 58-Jährige in dem Buch, das gemeinsam mit der Journalistin Helena von Zweigbergk entstanden ist. Während Fans der Popband jedes Wort aufsaugen werden, könnten sich neutralere Leser mit der Lobeshymne auf die Sängerin schwertun.

Die Schwedin von Zweigbergk hat Fredriksson für das Projekt fast zwei Jahre lang immer wieder getroffen, die Kapitel sind abwechselnd aus ihrer Perspektive und der der Roxette-Sängerin geschrieben. Die Zeit hat von Zweigbergk zum Fan der „unermüdlichen Kämpferin“ gemacht, sie schwärmt auf vielen Seiten von der Energie des Superstars. „Sie ist der großzügigste und mutigste Mensch, den ich kenne“, zitiert die Journalistin Fredrikssons Freundin Marika Erlandsson. Andere Wegbegleiter preisen die Pop-Ikone als „großes Vorbild“, „Quelle der Inspiration“, „Naturgewalt“ und „beste Sängerin Schwedens“.

Vater ertränkt seinen Kummer im Alkohol

Fredriksson selbst ist nicht minder von ihren Qualitäten überzeugt. „Schon früh merkte ich (...), dass ich die Menschen berührte“, schreibt sie an einer Stelle. An einer anderen: „Es fühlt sich anmaßend an zu behaupten, man habe gewusst, dass man mal ein Weltstar wird. Aber ich wusste, dass ich das Zeug dazu hatte.“

Doch die Sängerin lässt auch die dunklen Kapitel ihres Lebens nicht aus. Fredriksson wächst mit vielen Geschwistern im südschwedischen Schonen auf, der Familie mangelt es an Geld. Als sie sieben Jahre alt ist, stirbt ihre Schwester Anna-Lisa bei einem Unfall, der Vater ertränkt seinen Kummer darüber im Alkohol. Er stirbt mit 67 nach einem Herzinfarkt, erlebt den Erfolg seiner Tochter nicht. Die genießt den ungewohnten Reichtum. Doch auf Tourneen fühlt sie sich oft einsam und gestresst – sie trinkt zu viel.

Darüber, wie ihr während der Krankheit zumute ist, berichtet Fredriksson schonungslos offen. Wie hässlich sie sich fühlt, weil ihr Gesicht durch das Cortison aufgedunsen ist. Wie verzweifelt sie ist, dass sie kaum sprechen kann. Sie habe Jahre voller Leere, Depression und Einsamkeit erlebt. „Ich büßte meine Identität ein. Wurde Krebs. Mehr war ich nicht mehr. Und ich hasste jede Sekunde dieses Daseins.“

Auch ihre Familie belastet die Krankheit. Die Schwedin fühlt sich als schlechte Mutter, weint mit ihrem Mann „Micke“ in der Küche, als die beiden Kinder Josefin und Oscar nicht im Raum sind: „Unsere Tränen fielen leise in die Suppenteller.“ Ihren Mann lernt sie 1991 in Australien lieben, es dauert nur 48 Stunden, bis er ihr einen Heiratsantrag macht. Spontan sagt die impulsive Sängerin Ja. „Er war der Richtige, das wusste ich. Auf ihn hatte ich gewartet.“

Bandkollege war für sie die beste Medizin

Mit ihrem Bandkollegen Per Gessle habe sie dagegen nie mehr als Freundschaft verbunden, beteuert Fredriksson in der Biografie. Dass er wieder auf Tour gehen wollte, als sie ihren Krebs überwunden hatte, sei für sie die „beste Medizin“.