Nicholas Ofczarek (l.) als Jedermann und Birgit Minichmayr als Buhlschaft

Festspiele

Salzburg: Große Kunst und (zu) viel Regie

Bilanz nach der ersten Welle von Salzburg-Premieren: Viel große Kunst.

Zum Start ging man in Salzburg auf Nummer sicher. Beim Jedermann , dem ewigen Paradestück der Festspiele, wurden Nicholas Ofczarek und Birgit Minichmayr für ihr energiegeladenes Spiel gefeiert. Dennoch hatte man wie schon 2010 das Gefühl, die beiden würden von Regisseur Christian Stückl mehr oder weniger im Stich gelassen: geringe Fallhöhe, beiläufige Auftritte und Abgänge.

Licht und Schatten beim Faust-Marathon (achteinhalb Stunden!) von Nicolas Stemann: Der Regisseur beginnt mit einem hinrei­ßenden, fast dreistündigen Faust I, der monologisch und unpsychologisch, textzentriert und virtuos daherkommt. Der Tragödie zweiter Teil überzeugt nicht: Hier wird der gescheiterte Versuch, Faust II aufzuführen, vorgeführt.

Konzert
Wäre dies ein Festival für Konzerte, gäbe es in Salzburg nur zufriedene Musikfreunde. Weil Markus Hinterhäuser seit Jahren eine perfekte Mischung aus Altem und Neuem bietet, Neugierige erfreut und Konservative mit maximaler Qualität verwöhnt.

Diashow: Salzburger Festspiele: Die Highlights

Oper
Bei den Opern konnte man jedoch bisher nur dank guter Sänger, der Wiener Philharmoniker und zwei großer Dirigenten (Thielemann und Muti) zufrieden sein.
Für Frau ohne Schatten (Richard Strauss) befand der Kritiker der Presse, es hätten vor der Premiere 80 Prozent der Besucher nicht gewusst, worum es in der Oper geht, und nachher seien es 100 Prozent gewesen. Treffender kann man die unsinnige Stückverfälschung (Regie: Christof Loy) nicht charakterisieren. Claus Guth hat bei Hochzeit des Figaro (Mozart) plumpe Sexbereitschaft mit erotischer Spannung verwechselt.

Einzig Peter Steins Inszenierung von Macbeth (Verdi) überzeugte dank idealer Übereinstimmung von Handlungsverlauf, Texttreue, Raumgestaltung und Personenführung. Aber das findet ein deutscher Kritiker "reaktionär und gedankenfaul" (Die Welt). Manche mögen eben lieber die Eitelkeit der Regisseure sehen als das Stück.