Ricardo Muti

Salzburger Festspiele

Mit Riccardo Muti auf der Zielgeraden

 Konzertanter "Nabucco" von Verdi: Sängerfest mit Muti und der Oper aus Rom.

Die Salzburger Festspiele nähern sich dem Ende, und da setzten Riccardo Muti, acht Sänger sowie der Chor und das Orchester del Teatro dell' Opera di Roma noch einen kräftigen Akzent. Auf dem Programm: Giuseppe Verdis Frühwerk "Nabucco" in konzertanter Fassung. Das Publikum im Großen Festspielhaus erlebte am 29. August ein "Sängerfest auf der Zielgeraden" mit herzhafter Italianita.

Zu Verdis 200. Geburtstag
"Nabucco" ist eine jener frühen Verdi-Opern, die sich bis heute im Repertoire gehalten haben. Vielleicht wegen des berühmten "Gefangenenchores". Aber auch sonst ist dieses Werk randvoll edelster Jahrmarktsmusik, volkstümlicher und zugleich raffiniert konstruierter Schunkelmusik mit operettenartigen Gassenhauern aus dem Geburtsland der Oper. Musik, die das vielfach aus Italien zugereiste Publikum schon nach der Ouvertüre zu Bravo-Rufen und heftigem Applaus verleitet hat, der echte Begeisterung ebenso ausdrückte wie Stolz auf "unseren Verdi".

Muti wurde vom Publikum gefeiert
Und Riccardo Muti gab dem Affen Zucker. Natürlich mit der gebotenen Noblesse. Aber ein bisschen Show hat sich schon dazugemischt, wenn sich der Maestro aus Neapel ins Zeug legte, leidenschaftlich gestikulierte und Einsätze gab, die nicht immer auf jene Musiker zielten, die diese tatsächlich zu spielen hatten. Ein heftiges Ganzkörper-Zucken zum Chor und zu den Geigen, zugleich aber rumpeln Bässe und Celli aus ganz anderer Richtung - "die Freunde der italienischen Oper" nehmen eben nicht alles so wörtlich.

Sänger verzauberten Mozart-Stadt mit Verdi-Klängen

Dafür gab es reichlich von jenen klingenden Gefühlen, aus denen die Oper gemacht ist. So lies Francesco Meli wunderbaren tenoresquen Schmelz hören, der allein schon in der Lage ist, haarsträubende Ungereimtheiten jedes Librettos aus dem Weg zu räumen. Und Dmitry Belosselskiy hielt ebenso mit wie Bass-Bariton-Kollege Zeljko Lucic in der Titelrolle, der Russe und der Serbe agierten in vorderster "Italien-Front". Ein wenig kleiner und daher angestrengt die Stimmen von Sonia Ganassi und Simge Büyükedes, die sich dafür mächtig ins Zeug legten und ebenfalls für herzhafte Momente sorgten. Den größten Applaus aber gab es für Einspringerin Anna Pirozzi, die laut Festspielintendant Alexander Pereira erst nach der Generalprobe zum "Nabucco"-Team gestoßen ist. Aber mit dem Proben war es ohnehin so eine Sache im Salzburger Festspielsommer und außerdem: Die Neapolitanerin hat die Partie drauf, und knallte eine verwegen-leidenschaftliche Arie nach der anderen mit gigantisch großer Stimme ins Festspielhaus. Spitzentöne derart voluminös, dass Ästheten nördlich der Alpen wohl vor allem von "laut" sprechen würden. Laut, aber unbestritten wirkungsvoll.

Fazit: Standing Ovations gerechtfertigt
Volle und berechtigte Publikumspunkte gab es auch für die Chorsänger und die Orchestermusiker der Oper aus Rom, natürlich für den Maestro selbst und genau genommen für alle. Standing Ovations um Mitternacht für herrliche Volksoper der italienischen Art.

Info
"Nabucco" Dramma lirico in vier Akten von Giuseppe Verdi. Konzertante Aufführung im Großen Festspielhaus. Weitere Termine: 31.8. und 1.9., jeweils im 16 Uhr. Es musizieren der Chor und das Orchester del Teatro dell' Opera di Roma unter der Leitung von Riccardo Muti. Die Solisten: Zeljko Lucic als Nabucco, Dmitry Belosselskiy als Zaccaria, Anna Pirozzi als Abigaille, Francesco Meli als Ismaele, Sonia Ganassi als Fenena, Simge Büyükedes als Anna sowie Luca dall' Amico und Saverio Fiore in den kleineren Rollen des Baal und des Abdallo; www.salzburgfestival.at