Staatskünstler

"Wir Staatskünstler"

Gesitteter Nestbeschmutzer-Alltag

Scheuba, Maurer und Palfrader mit  Polit-Kabarett und Fernseh-Satire Hybrid.

"Wir Staatskünstler" sind gut, durchaus pointiert und manchmal ziemlich böse. An sich ist das eine erfreuliche Nachricht. Wer sich allerdings erwartet hatte, dass der neueste Streich von Florian Scheuba, Thomas Maurer und Robert Palfrader, die im Jänner mit ihrer kabarettistischen "Vorlesung" aus den Telefonprotokollen zur Buwog-Affäre für den Kabarett-Überraschungserfolg des Jahres gesorgt hatten, sich als sehr gut und sehr böse erweisen würde, könnte ein wenig enttäuscht werden. Bei der gestrigen Premiere des von Werner Sobotka inszenierten Abends im Wiener Rabenhof wurde zwar viel gelacht, der Applaus fiel jedoch durchaus endenwollend aus.

Grundidee
Die schöne Grundidee: Scheuba, Maurer und Palfrader sind in die schicke Staatskünstler-Villa eingezogen, in der vor ihnen bereits Thomas Bernhard, Andre Heller (kommt immer noch manchmal vorbei und macht den Garten) und Elfriede Jelinek (ist seit ihrem Nobelpreis ins Internet übersiedelt) gewohnt haben. Einer muss den schmutzigen Job ja machen: Champagner schlürfen und den drei wichtigsten Staatskünstler-Pflichten nachkommen - Nest beschmutzen, Österreich vernadern und die Bevölkerung beschimpfen. Weitere Aufgaben wie "Die Hand beißen, die einen füttert" und "Die Fleißigen und Anständigen verhöhnen" erledigt ein Routinier wie Palfrader aufgrund der Anwesenheit eines dankbaren Publikums quasi im Vorübergehen.

Gepflegte Konversation über historische Grundlagen
Hans Kudlich und Chili Gallei haben die Villa mit spacigen Sitzmöbeln, einer großen "Im Namen der Republik"-Skulptur, drei an Arnulf Rainer erinnernden Künstler-Übermalungen und einem großen Österreich-Fahnen-Schüttbild ansprechend eingerichtet. Die drei Herren sind in modische Dreiteiler gekleidet und führen gepflegte Konversation über die historischen Grundlagen ihres schwierigen Berufes, polithygienische Schutzfunktionen des Hofnarrentums und verkappte Staatskünstler-Kollegen. Sie keilen Regierungs-Inserate und absolvieren einen geregelten Tagesablauf, machen mal "einen 248er" (nach Paragraf 248 StGB, Herabwürdigung des Staates und seiner Symbole) und mal "einen 188er" (nach Paragraf 188 StGB, Herabwürdigung religiöser Lehren) - alles ebenso geordnet und gesittet wie der ganze Abend.

Hybridität  zwischen Bühnen-Show und Fernseh-Format
Das wirkliche Problem sind aber nicht die ziemlich erwartbaren Spitzen gegen die üblichen Verdächtigen, sondern die Hybridität der Vorstellung zwischen Bühnen-Show und Fernseh-Format. Eingebettet in einen Rahmen, den es nur bei den Theater-Auftritten geben wird, werden vor und nach der Pause je eine Folge jener neuen Satire-Sendung gegeben, die der ORF im Zuge der "Donnerstag Nacht" ab 1. Dezember ausstrahlen wird. Das bringt zweimal die Verlesung des Dokuments der Woche (beide erreichen nicht annähernd das "Wo woar mei Leistung?"-Format), zweimal den Versuch, den Zuschauern echten Mehrwert ins Haus zu bringen (etwa durch ein, zwei Zeilen eines sechsseitigen Sechs-Millionen-Euro-Gutachtens), zweimal das Bewerben der etwas müden "Gaugg den Meischi"-Abstimmung, mit der man sich im Internet Politiker in die Privatwirtschaft wünschen kann.

Niki spielt Niko
Aber die retardierende Konstruktion bringt auch zweimal die Begegnung mit dem echten Höhepunkt des Abends: Niki spielt Niko. Per I-Phone schalten sich ORF-Stiftungsrat Niko Pelinka und SP-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas live in die Sendung, um die Arbeit der Staatskünstler zu loben und ein paar kleine Anmerkungen anzubringen, wie die eh' schon suprige Sendung noch supriger werden könnte. Wie Burg-Star Nicholas Ofczarek und seine Kollegin Claudia Kottal die Beiden spielen, ist brüllend komisch und alleine schon den Abend wert. Ob das Gros der Fernsehzuschauer sich auch so köstlich amüsieren können wird wie die zahlreich in der gestrigen Premiere vertretenen Politik-Insider, ist angesichts der nicht eben breiten Bekanntheit des SP-Youngsters etwas fraglich. Und noch etwas hatten die Rabenhof-Besucher gestern den TV-Zusehern voraus: Sie konnten das Original mit der Parodie vergleichen. Der echte Niko Pelinka machte übrigens gute Miene zum satirischen Spiel - und zeigte sich über die hochkarätige Besetzung seines Doubles geschmeichelt...

Von Wolfgang Huber-Lang/APA

Infos
"Wir Staatskünstler", mit Robert Palfrader, Florian Scheuba und Thomas Maurer, Rabenhof, Nächste Vorstellungen: 28., 29., 30.11., 10.12., 20 Uhr, Erste Ausstrahlung auf ORF eins: 1. Dezember. www.wirstaatskuenstler.at