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Kritik

Holender-Abschied: Ovationen, Buh-Orkan

Das war Staatsoperchef Ioan Holenders großer Abschieds-Marathon.

Den längsten Opernabend der längsten Direktion kündigte Ioan Holender als Moderator pointiert schon zu Beginn des Konzert-Marathons am 26.6. an. Der dauerte in der Staatsoper fünf Stunden, zwei Pausen mitgerechnet, in denen das Publikum gratis (!) mit Getränken und Häppchen gelabt wurde. Thema: Musikalische Rückschau auf die 19-jährige Direktion. Programm: Erinnerung an 40 der 80 Opernpremieren Holenders in chronologischer Reihung (was ein paar musikalische Kollisionen ergab).

Spannung
Dutzende Sänger und acht Dirigenten, die in diesen 19 Jahren wichtig waren, Chor und Orchester (mit Albena Danailova als Frau Konzertmeister – auch das ein Verdienst Holenders), dazu ein paar aus London eingeflogene und knapp, aber fast rechtzeitig angekommene Stars. Ein übervolles Haus in Hochspannung, eine der selten gewordenen TV-Übertragungen des ORF, großer Andrang vor der Video-Wall, Riesenspannung, Riesenstimmung, Ovationen, aber auch ein Buh-Gewitter – für die abwesende Elīna Garanča wegen ihrer launenhaften Absage.

Eindrücke
Meine stärksten Eindrücke? Dass man auch auf High Heels dirigieren kann (Simone Young). Die Wagner-Gestaltung des Dirigenten Antonio Pappano. Dass Plácido Domingo am Vormittag in London Bariton ist und am Abend in Wien mit Siegmunds Winterstürmen überzeugt. Wie Anna Netrebko, Natalie Dessay, Waltraud Meier, Angela Denoke, Angelika Kirchschlager auch im Abendkleid Opernspannung erzeugen können. Was nur ein paar Herren (Grundheber, Hampson, Eröd, Keenlyside) gelingt. Dass Eliane Coelho und Stefania Bonfadelli ihre schweren Krankheiten vielleicht überwunden haben.

Und dass uns klar wurde: Diese ereignisreichen zwei Jahrzehnte sind unwiederholbare Vergangenheit.