Pfiffe an der Scala: Piotr Beczala will nie mehr in Italien singen

Neuer Scala-Eklat

Tenor Beczala kehrt Italien endgültig Rücken

Startenor reagiert beleidigt auf Reaktion des Publikums bei Scala-Eröffnung.

Tenor Piotr Beczala, der als Alfredo in der "Traviata" bei der Saisoneröffnung der Scala am 7. Dezember ein Pfeifkonzert einstecken musste, reagiert beleidigt auf die Kritik des Mailänder Publikums. Auf seiner Facebook-Seite kündigt der Pole an, nie wieder im Mailänder Opernhaus und in Italien überhaupt auftreten zu wollen. „Das war meine letzte Produktion an der Scala", schreibt der 46-Jährige.

Vertrag wird noch erfüllt
Er sei mit dem Regiekonzept von Dmitri Tchernaikow nicht einverstanden gewesen, doch habe er seine Rolle so gut wie möglich gespielt: "Das Ergebnis meiner Bemühungen waren meine ersten Buhs überhaupt", schreibt der Pole. Er werde seinen Kontrakt an der Scala natürlich erfüllen, aber dann sei Schluss: "Nach Italien komme ich nur noch zum Urlaubmachen." Seine Empfehlung für die Scala fällt entsprechend klar aus: "Die sollten nur mehr italienische Sänger engagieren. Warum ich meine Zeit mit diesem "Schmarrn" vergeudet habe...."

Solidarisierung mit Tenor auf Facebook

Hunderte Fans erklärten sich mit dem Tenor auf Facebook solidarisch, einige kritisierten ihn als "Diva". Auch Scala-Intendant Stephane Lissner sicherte Beczala Rückendeckung. „Er ist einer der wenigen guten Tenore dieser Zeit und ist nie ausgepfiffen worden. Wegen eines fanatischen Teils des Scala-Publikums wollen viele Sänger nicht in Mailand auftreten“, erklärte Lissner.

Gekränkter Regisseur
Enttäuscht zeigte sich auch Regisseur Tchernaikow, dessen Regie ebenfalls Unmut unter einigen Scala-Zuschauern auslöste. „Ich habe das verwirklicht, was ich im Sinne hatte, ohne Kompromisse zu akzeptieren. Die Scala, ein großartiges Opernhaus, hat mich stets verteidigt und unterstützt. Ich verlange nicht, dass meine Regie jedem gefällt. Kritik ist im Theater normal. Das geschieht nicht nur an der Scala“, so der Russe. Konservative Opernfans kritisierten Tchernaikows Regie als übertrieben extravagant und zu weit vom Libretto der Verdi-Oper entfernt.