Wer angesichts des unbarmherzig näher rückenden Winters Sehnsucht nach dem Süden hat, ist im Wien Museum womöglich richtig: Das Ausstellungshaus am Karlsplatz lässt ab dem 14. Noveber bis 30. März 2014 das Meer rauschen. Geladen wird zu einer nach Regionen gegliederten Rundreise, auf welcher die - Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende - "Kolonialisierung" von Küstenregionen an der Adria und somit die Ära der "K.-u.-k.-Riviera" nachvollziehbar gemacht werden sollen.

Strandurlaub zu Kaisers Zeiten

Wien Museum lässt das Meer rauschen

Bunte Ausstellung erzählt von der Entdeckung der Adria als "österreichische Riviera".

Wer angesichts des unbarmherzig näher rückenden Winters Sehnsucht nach dem Süden hat, ist im Wien Museum womöglich richtig: Das Ausstellungshaus am Karlsplatz lässt ab morgen, Donnerstag, das Meer rauschen. Geladen wird zu einer nach Regionen gegliederten Rundreise, auf welcher die - Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende - "Kolonialisierung" von Küstenregionen an der Adria und somit die Ära der "K.-u.-k.-Riviera" nachvollziehbar gemacht werden sollen.

Dem Winter ein Schnippchen schlagen
Rund 450 Objekte leiten die Besucher durch den bunten historischen Parcours, der chronologisch mit der Eröffnung der Bahnverbindung Wien-Triest im Jahr 1857 beginnt und mit der großen "Adria-Ausstellung" 1913 im Prater, in der Nachbauten diverser Küstenstädte, ein Riesendampfer sowie ein künstlich angelegter See als Meer-Ersatz bewundert werden konnten, endet. Der Bogen der historischen Dokumente reicht von Bademode bis zu Fremdenverkehrswerbung und Reiseführern, von Hoteleinrichtungsgegenständen bis zu privaten Fotografien. Die Kunst wird ebenfalls nicht ausgespart: So ergänzen thematisch verwandte Gemälde von Egon Schiele, Rudolf von Alt oder Albin Egger-Lienz - ebenfalls Zeugnisse der Entdeckung des Meeres seitens der Monarchie-Metropole - die Ausstellung.

Auf hoher See
Da viele Gebiete nicht über den Landweg erreichbar waren, spiele auch die Schifffahrt eine wichtige Rolle in der Schau, sagte Co-Kurator Christian Rapp am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Staunen kann man über einen rekonstruierten Lichtbildvortrag aus dem Jahr 1910, der dank kolorierter Dias eine Reise per Schiff erlebbar machen sollte. Die Eroberung der damals noch zur Monarchie gehörenden Meeresregionen hatte anfangs allerdings einen ernsten Hintergrund: Kranke Menschen, tuberkulöse Kleinkinder und Reiche erhofften sich durch die dortige Luft und das Salzwasser eine Verbesserung ihres Gesundheitszustands. Zahlreiche Krankenhäuser und Kurhotels sprossen aus dem Boden.

"Österreichische Riviera"   
Bald wurden die Orte, die dank der Kurgäste einen infrastrukturellen Schub erfahren hatten, auch touristisch unter dem an die noble Cote d'Azur gemahnenden Label "Österreichische Riviera" vermarktet. Zu ihren Zentren zählten etwa Abbazia (Opatija), Triest und Grado, aber auch Split und Dubrovnik.  Kuratorenkollegin Nadia Rapp-Wimberger betonte, dass man keine "Nostalgieausstellung" im Sinn gehabt habe. Die Arbeitsverhältnisse des Personals, der Widerstand der örtlichen Bevölkerung gegen die Ansiedelung kranker Kinder oder die Forderung nach ausschließlich Deutsch sprechenden Hotelangestellten werden ebenfalls thematisiert. Es gehe nicht nur um "das Bankerl im Kurpark", verwies Museumsdirektor Wolfgang Kos beispielsweise darauf, dass Dalmatien und Galizien zu den ärmsten Regionen des Kaiserreichs gezählt hätten.

Politiker Urlaubs-Grüße
Die Politik kommt ebenfalls nicht zu kurz: Eine Fotografie zeigt etwa den damaligen Wiener Bürgermeister Karl Lueger im kroatischen Lovran - umgeben von zwei Frauen, eine davon Nonne. Der Hintergrund der Reise war nicht nur politischer Natur: Die Stadt Wien besaß nämlich entlang der Küste eine Reihe von Grundstücken und errichtete darauf Heilanstalten für kranke Kinder. Die Spannungen innerhalb des Reiches waren damals bereits spürbar: Lueger wurde während eines Aufenthalts in Split von Demonstranten ausgepfiffen. Die gegenwärtige Beziehung der Wiener zur Adria wurde in der Schau ausgespart - und zwar bewusst, wie das Kuratorenteam heute betonte. Denn das hätte den Rahmen bei weitem gesprengt. Das gewählte Zeitfenster mache jedoch grundlegende Veränderungen in der Wahrnehmung der beleuchteten Regionen sichtbar. Begleitend zur Ausstellung ist ein rund 300 Seiten starker Katalog erschienen. Vorträge etwa zu den K.-u.-k.-Grandhotels, zur Wiener Prominenz an der Adria oder zur Architektur der jugoslawischen Moderne - womit doch ein Bezug zur jüngeren Vergangenheit hergestellt wäre - sind ebenfalls anberaumt.

Info

"Österreichische Riviera - Wien entdeckt das Meer" im Wien Museum am Karlsplatz; ab morgen, 14. November, bis 30. März 2014, Eröffnung heute, 18.30 Uhr; Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 10.00 bis 18.00 Uhr; www.wienmuseum.at

Diashow: Die Kultur-Highlights des Jahres 2013

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