Megadeath

Neues Album

Dystopia: Megadeths düsteres Weltbild

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Bandleader Dave Mustaine: "Man muss trotz allem sein Leben weiterleben."

Krieg, Terror, Migration: "Die Welt hat sich verändert. Das stellt uns vor schwierige Fragen, was unser Leben, das Reisen, die Zukunft betrifft", sagte Dave Mustaine von der Metalband Megadeth in einem APA-Interview zum neuen Album "Dystopia". "Verhaltensregeln haben sich verändert. Früher wäre niemand auf die Idee gekommen, in einer Kirche herumzuschießen. Oder in einer Schule oder einem Spital."

Liebe gegen Hass
"Heute passiert das ständig, was gestern noch tabu war", meinte der Bandleader, der seit 1983 zu den Größen des Genres zählt. "In Indonesien hat sich jemand vor einem Starbucks in die Luft gesprengt. Kann man heute nicht einmal mehr in Ruhe seinen Kaffee trinken? Martin Luther King hat gesagt, dass nur die Liebe den Hass besiegen kann. Manche mögen diese Aussage für naiv halten, aber es ist die Wahrheit."

Weiterleben
Mustaine, in jungen Jahren als "schwierig" berühmt und berüchtigt, gab sich im Gespräch als nachdenklicher wie besonnener Zeitgenosse. "Die Terrorbedrohung und die Flüchtlingsströme verunsichern viele Menschen, das spürt man." Aber: "Einen Tag nach den Vorfällen in Paris standen wir in London auf der Bühne. Natürlich waren wir ebenso verunsichert wie die meisten Fans. Aber ich glaube, man muss sein Leben trotz allem weiterleben. Die Menschheit bekämpft sich, seit es Menschen auf der Welt gibt. Da hat sich also in Wahrheit eigentlich doch nichts verändert."

"Dystopia" ist eines der besten Alben von Megadeth geworden. Nicht zuletzt deshalb, weil es Mustaine und seiner an zwei Stellen umbesetzten Band gelingt, Härte und Eingängigkeit ausgewogen zusammenzuführen. "Mir sagen viele Leute, dass sie die Stärke des neuen Albums überrascht hat. Ich muss davor wohl viele wirklich schlechte Platten herausgebracht haben", lachte der Sänger und Gitarrist. "Nein, ich freue mich einfach, dass ich es noch immer kann." Mit "Dystopia" bekämen die Fans "Megadeth von damals und Megadeth von heute. Es gibt die Trademarks, aber zugleich neue Ideen und Ansätze."

Erfahrungen
Sein Leben, seine Kämpfe und inneren Dämonen hat Mustaine "stets offen" in seinen Texten thematisiert. "Ich war mit vier Jahren ein Scheidungskind, zwischendurch sogar obdachlos, habe in einem Van gelebt - und habe es dennoch geschafft!", erzählte der 54-Jährige. Was der Fan daraus rückschließen kann: "'Wenn Dave trotz allem Erfolg hat, kann mir das auch gelingen.' Jeder sollte seinen Träumen folgen. Manchmal geht das nicht, ok, aber niemand soll dir davon abraten, es zumindest zu versuchen. Manchmal muss man sich bloß intensiver bemühen."

Nichts sei schließlich unmöglich, betonte Mustaine. "Vieles, was gestern noch utopisch anmutete, ist bereits Realität. In der TV-Serie '24' gab es einen schwarzen Präsidenten. Das war für viele undenkbar. Und jetzt bekommt Amerika vielleicht sogar die erste Frau im US-Präsidentenamt."

Fast hassfrei
Apropos Frauen - gab es da im Zusammenhang mit Dave Mustaine nicht wilde Gerüchte? " Ja, die gab es. Dass Dave Mustaine angeblich Frauen und Schwule und überhaupt alles hasst. Hallo! Das stimmt überhaupt nicht! Es gibt nicht viel, was ich hasse - ich hasse Vorurteile, aber sonst fällt mir schon nichts mehr ein."

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