Dagmar Koller: emotionaler Talk zum 80er

Grande Dame über Leben & Liebe

Dagmar Koller: emotionaler Talk zum 80er

Legende. Sie zählt zu den bekanntesten Per­sönlichkeiten des Landes: Dagmar Koller. Seit 1964 stand sie auf den größten Musicalbühnen in Deutschland und Österreich, spielte in unzähligen Filmen mit und könnte sich auch mit 80 Jahren vorstellen, noch einmal auf der Bühne zu stehen – wenn die richtige Rolle kommt. Die Power dazu hat Koller allemal, wie sie im Talk mit Wolfgang Fellner für Fellner! Live auf oe24.TV erzählt.
 
Zusammen. Doch es gab auch Schicksalsschläge in Kollers Leben. 1971 lernte sie ihren Lebensmenschen Helmut Zilk kennen, mit dem sie bis zu seinem Tod 2008 zusammen war. Auch das Briefbombenattentat stand das Paar gemeinsam durch. Auch, als Zilks Gesundheitszustand sich 2008 verschlechterte, wich sie nicht von seiner Seite. Wenn Koller an die letzte Nacht vor Zilks Tod zurückdenkt, ist sie sich heute sicher: „Helmut hat die Geräte abgedreht. Er hat mich heimgeschickt, weil er nicht wollte, dass ich mit dabei bin“, so Koller.
 
Liebe. Auch wenn „Dagi“ nunmehr seit elf Jahren Single ist – alleine fühlt sie sich nicht. „Nur die Liebe zählt. Wenn sie fehlt, bleibt nichts mehr. Nach dem Motto lebe ich, und ich bin sehr oft verliebt“, so Koller.
 

Koller: "Helmut hat die Geräte abgedreht"

 
Interview. Morgen, am 26. August, feiert die legendäre Dagmar Koller ihren 80. Geburtstag. oe24.TV gratuliert ihr mit einer Ausgabe von „Fellner! Live“. Wolfgang Fellner gab sie ein bewegendes Interview. Hier ein Vorgeschmack:
 
koller fellner © oe24
 
Wolfgang Fellner: Alles Gute zum Geburtstag, Dagmar! Du schaust aus wie 50, lebst wie 40, manchmal feierst du wie 30. Aber auf 80 wäre ich nie gekommen, obwohl ich weiß, dass ich dich schon lange kenne …
 
Koller: Leider habe ich jetzt den Stempel in all den Me­dien. Ich weiß auch, dass die Leute immer glauben, na ja 60, 65 wird sie schon sein. Aber 80, daran muss ich mich erst selbst noch gewöhnen. Und ich freue mich, dass die Leute mir Zuneigung ent­gegenbringen und mir sagen: Gratuliere. Ich gehe durch die Stadt und fühle mich wundervoll.
 
Fellner: Du warst ja eigentlich ein schüchternes Kärntner Mädel, als du nach Wien gekommen bist. Oder täusche ich mich da?
 
Koller: Ich war privat schüchtern und ein bisschen männerfeindlich, weil ich einen Bruder hatte, der mich immer so beeinflusst hat: „Mit dem darfst du ausgehen, mit dem darfst du nicht“ usw.
 
Fellner: Du warst zwar schüchtern, aber der große Männerschwarm. Da gab es ja kaum einen Mann, der dich nicht erobern oder flachlegen wollte, oder?
 
Koller: Nein, ich war so ehrgeizig und fleißig und in diesem Punkt eher scheu. Obwohl ich viel geflirtet habe, habe ich nie jemand wirklich an mich herangelassen.
 
Fellner: Aber es gab schon ein paar Schauspieler, die du auch mochtest, oder?
 
Koller: Nein, Schauspieler nie. Aber ich hatte Sportler sehr gerne.
 
Fellner: Karl Schranz?
 
Koller: Ja, den hab ich wirklich lieb gehabt. Er war damals auch erster Weltcup­sieger, und ich war sehr stolz auf ihn.
 
Fellner: Dann haben dich natürlich viele Opernstars verehrt. Auch Domingo, der jetzt als Grapscher in aller Munde ist?
 
Koller: Da werde ich wild, weil er das Gegenteil davon war. Dem sind die Frauenherzen zugeflogen, aber er hat sich nie an Frauen herangemacht.
 
Fellner: Aber jetzt tauchen Frauen auf, die sagen, er wollte mich flachlegen für eine Rolle …
 
Koller: Die wären gerne flachgelegt worden.
 
Fellner: Du warst ein Star, als es noch kein #metoo gab. Würdest du dich heute dieser #metoo-Bewegung anschließen?
 
Koller: Nein, ich musste nie etwas machen, was ich nicht wollte. Wenn sie mir auf den Popo geklopft haben, war das damals ein Zeichen, dass er noch schön war. Das hab ich nie als Belästigung empfunden.
 
Fellner: Wie viele Männer hast du in deinem Leben schon abgewiesen?
 
Koller: Jetzt bin ich 80, zu flirten begonnen hab ich mit 17. Es werden schon 70 gewesen sein …
 
Fellner: Dann kam einer, den du nicht abgewiesen hast, nämlich die Liebe deines Lebens, der Helmut Zilk.
 
Koller: Er hat es auch so raffiniert gemacht und hat mich fünf Monate lang ausgeführt. Bis ich ihn dann gefragt habe: Sag einmal, ich höre immer, dass du alle Frauen verführst. Ich wäre doch auch zu verführen.
 
Fellner: Du hast den Anfang gemacht?
 
Koller: Ich habe den Anfang gemacht, dann hat er gesagt: Komm, ich wohne da oben. Dort hat er mir ein Glas Whisky in die Hand gegeben und gesagt: Zieh’ dich aus. Da hab ich mich schnell ausgezogen, bin in sein Bett gesprungen und habe mich zugedeckt …
 
Fellner: Was macht diese ganz große Liebe aus?
 
Koller: Von Anfang an diese Zuneigung, die er zu mir hatte, diese Komplimente, die er machte, die aber nicht falsch waren, die er wirklich so gemeint hat, und diese Art und Weise auch auf mich aufzupassen. Und er ist ein sehr gescheiter Mann gewesen.
 
Fellner: Sein Tod 2008 muss furchtbar für dich gewesen sein …

Koller: Ja, das war ganz unfassbar. Ich war noch bei ihm in der Nacht bis Mitternacht, und er hat mich weggeschickt. Da hat er gesagt: Jetzt geh’ schon endlich, du musst ausgeschlafen sein, du hast morgen wieder Fernsehen. Ich habe so geweint an seinem Bett.
 
Fellner: Er wollte dir das nicht mehr antun?
 
koller © picturedesk.com
 
Koller: Ja, und er wollte nicht, dass ich dabei bin. Ich glaube ja fast mit Sicherheit, er hat die Geräte auf die Seite gelegt …
 
Fellner: Er hat die Geräte abgedreht?
 
Koller: Ja, ganz sicher. Um halb 8 in der Früh geht die Glocke bei mir zu Hause, und vor der Tür steht ein bekannter berühmter Arzt, der Prof. Walter Starkl. Und sagt: „Komm schnell, komm schnell – vor 20 Minuten ist dein Mann verstorben.“ Ich konnte nicht mehr atmen, der hat mich einfach gepackt und rein ins Auto.
 
Fellner: Seither lebst du ­alleine. Nie daran gedacht, noch einmal zu heiraten? Eine neue Liebesbeziehung einzugehen?
 
Koller: Nein, also das glaube ich wirklich nicht mehr. Weil mit 80 Jahren ist das wirklich blöd.
 
Fellner: Heutzutage gibt es Tinder und Speed-Dating …
 
Koller: Ja, aber davon halte ich nichts, das gehört nicht zu mir. Ich bin eine Frau, die voll ihr Leben als Frau lebt, und ich kann mir auch vorstellen, dass wieder ein Partner in mein Leben kommt.
 
Fellner: Das kannst du dir vorstellen?
 
Koller: Ja, sehr. Aber deshalb werde ich nicht heiraten oder sagen: Bitte wohne bei mir. Ich wohne sehr gerne alleine.
 
Fellner: Du lebst seit elf Jahren alleine – aber auch, weil der Helmut immer irgendwie bei dir ist …
 
Koller: Ja, das siehst du richtig. Er dominiert dieses Leben von mir, weil er so ein toller Mann war. Aber ich habe auch sehr liebe Freunde, die ich pflege und die sehr lieb zu mir sind.
 
Fellner: Du hast ja auch dieses schöne Haus in Portugal, in dem du gerne bist?
 
Koller: Lieber Gott –wer das einmal kriegen wird! Ich war jetzt wieder unten und habe den ganzen Tag daran herumgebastelt. Ich glaube, es ist das schönste Haus an der Algarve.
 
Fellner: Gehst du da viel am Strand spazieren?
 
Koller: Ja, jeden Tag vier bis fünf Kilometer.
 
Fellner: Fühlst du dich da nicht einsam?
 
Koller: Nein. Ich habe ja auch da unten Freunde, die ich anrufe und mit denen ich etwas unternehme. Einsamkeit kenne ich eigentlich gar nicht.
 
Fellner: Was gehört dazu, dass man so jung bleibt?
 
Koller: Ich finde einfach: Nur die Liebe zählt. Wenn die fehlt, bleibt nichts mehr. Nach diesem Motto lebe ich, und ich bin sehr oft verliebt – aber das können auch Bäume und Katzen sein, die ich sehe.
 
Fellner: Du wartest darauf, dass noch eine richtige Liebe in dein Leben schneit?
 
Koller: Ich hoffe, dass noch ein paar Lieben in mein Leben schneien werden. Und ich habe den Mut, es zuzugeben.
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