10. Februar 2019 13:38
Analyse
Professor überprüft Gabalier-Lieder auf Nazi-Inhalt
'Im volkstümlichen Schlager werden meist nur Berge und Wiesen besungen, Gabalier aber wird politisch', urteilt Professor Fischer.
Professor überprüft Gabalier-Lieder auf Nazi-Inhalt
© Getty Images

Er füllt Stadien und begeistert Millionen Fans. Nur Helene Fischer hat im deutschsprachigen Raum wohl noch mehr Fans. Zuletzt ging es aber weniger um seine Erfolge - auf Social Media wurde heftig diskutiert. Der Streit um die Preisverleihung des Karl-Valentin-Ordens an den Star-Sänger Andreas Gabalier hat hohe Wellen geschlagen. Kaum erregt ein Star hierzulande so viel Aufmerksamkeit. 

Kritiker sagten, seine Texte seien "frauenfeindlich" und es tauche zwischen den Zeilen ein "rechtspopulistisches Weltbild" auf. Am Ende bekam er den Orden verliehen. Gabalier versuchte die Gemüter zu beruhigen, um "aus einer Fliege keinen Elefanten zu machen". Nun doziert ein deutscher Theologe über seine Texte und unterzieht sie einer absurden Kontrolle.

Auf "bento.de" untersucht Professor Michael Fischer, geschäftsführender Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik der Uni Freiburg, Gabaliers Lieder. Der Theologe forscht zu volkstümlichem Liedgut aus der Zeit des Nationalsozialismus bis heute. 

 

"Gabalier politischer als andere"

Obwohl der Volks Rock'n'Roller des Öfteren betont hat, in den Texten unpolitisch zu sein, attestiert ihm der Professor etwas Anderes. "Im volkstümlichen Schlager werden meist nur Berge und Wiesen besungen, Gabalier aber wird politisch", sagt Fischer. Indem der Musik-Star Begriffe wie "Freiheit", "Kameraden" und "Heimatsöhnen" in seinen Liedtexten benutze, provoziere er bewusst - diese Wörter "gehören zum Repertoire des rechtspopulistischen Umfelds" - so seine erste Einschätzung.
 

Gabalier darf. "Klar darf Gabalier dieses Weltbild in seinen Liedern besingen – auch der Schlager ist von der Kunstfreiheit geschützt. Allerdings sollte jedem klar sein, welche Botschaften sich in seinen Liedern verbergen", erklärt Michael Fischer in seiner Analyse und erteilt dem Musiker quasi seine Absolution. 

 

"Nicht so gemeint"

Provokation. Andreas Gabalier provoziere gerne mit rechtspopulistischen Begriffen und Weltbildern, so Fischer weiter. Er unterstellt er dem Sänger dabei aber eine "Masche". Zuerst provozieren und dann alles zurücknehmen, weil es nicht so gemeint war, sei Gabaliers Schmäh. Das sei in etwa so wie "erst 'Heil Hitler' rufen und später behaupten, man hätte 'Grüß Gott' gemeint", so Fischer.

Der Theologe geht gemeinsam mit dem Online-Magazin drei Beispiele durch.

  • Lied: "Mein Bergkamerad"
Im Text heißt es: "Kameraden halten zusammen ein Leben lang, Eine Freundschaft, die ein Männerleben prägt. Wie ein eisernes Kreuz, das am höchsten Gipfel steht Und selbst dem allerstärksten Sturmwind widersteht".
 
Der Forscher: "Wenn er von einem eisernen Kreuz auf einem Gipfel singt, dann ist das eine gewollte Provokation", sagt Fischer.
 
 
  • Lied: "Kleine steile heile Welt"

Im Text heißt es: "I glaub an den Petrus an der Himmelstür. Der sagt, komm her zu mir, Buab I muss reden mit dir. Vaterunser beten, Holzscheitelknien"

Der Forscher: "Mit Holzscheitelknien ist eine fragwürdige Praxis gemeint, bei der Kinder zur Strafe gezwungen wurden, mit bloßen Schienbeinen auf einem hartkantigen Holzstücke zu knien. Fischer, der Historiker und Theologe ist, nennt es "geradezu skandalös" dass das Vaterunser in einer Zeile mit dem "Holzscheitelknien" auftaucht."

 

  • Lied: "Mein Großvater hat gesagt"
Im Text heißt es: "Es schmeichelt uns sehr, doch es macht uns net an. Warum muss denn a Dirndl heut sein wie a Mann. Völlig verbissen, schon fast verkrampft emanzipiert. So dass man die ganze Freud am Knuspern verliert. Aber jeder von uns steht halt net auf an Mann. Wir beißen viel lieber an am echten Dirndl an"
 
Der Forscher: Besungen werde nur, was heute angeblich schlecht ist – zum Beispiel emanzipierte Frauen – ohne im Umkehrschluss zu fordern, dass sie wieder an den Herd zurücksollen und die Kinder hüten. Dahinter vermutet Fischer Kalkül: "Gabalier muss so vage bleiben, sonst würde er viele weibliche Fans verlieren."