Nöstlinger-Tod: So trauert die Prominenz

Trauer

Nöstlinger-Tod: So trauert die Prominenz

Das Bekanntwerden des Ablebens der gefeierten Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger am Freitag hat eine Welle von Trauerbekundungen ausgelöst. Die heimische Politprominenz kondolierte der erfolgreichen wie streitbaren Schriftstellerin. Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) betonte etwa, dass Nöstlinger mit ihrem Schaffen "ganze Generationen nachhaltig geprägt" hat.
 

"Verneigen vor einer großen Österreicherin"

"Dieses Wirken endet nicht mit ihrem Ableben, sondern wird weit über ihren Tod hinaus auch die künftigen Generationen begeistern", so Blümel in einer Aussendung. "Wir verneigen uns vor einer großen Österreicherin, einer herausragenden Autorin und einer großen Persönlichkeit mit Feingefühl, Witz, Weitblick und sozialem Engagement." Auch SPÖ-Chef Christian Kern und SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder zeigten sich tief betroffen: "Mit Christine Nöstlinger verliert Österreich nicht nur eine seiner bedeutendsten Autorinnen und das Aushängeschild der heimischen Kinder- und Jugendliteratur, sondern auch eine große Frau mit Haltung, die in all ihrem Denken und Wirken immer eine Verfechterin des Humanen und der Freiheit war."
 
In eine ähnliche Kerbe schlug Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne), für die Nöstlinger "eine große Lücke" hinterlässt. "Die Heldinnen und Helden vieler Kinder und Jugendlicher sind der Feder von Nöstlinger entsprungen und haben junge Menschen weltweit dazu motiviert, gegen Unrecht und Ungerechtigkeit aufzubegehren, die Schwachen zu schützen und die Herrschenden in Frage zu stellen." Die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) betonte mit Verweis auf den Astrid-Lindgren-Preis, den Nöstlinger 2003 erhalten hat, dass die Autorin "einen wesentlichen Beitrag zu dem geleistet hat, was man als Weltliteratur bezeichnet". "Wie kaum jemand hat sie in ihren Büchern gezeigt, dass ein bedachter Umgang mit Sprache zu einem bedachteren Umgang mit der Welt führen kann. Sie hat mit ihren Büchern ein Stück Welt mitgestaltet."
 

Ausnahmetalent

Für Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) war Nöstlinger ein Ausnahmetalent, das ebenso realistische wie sozialkritische Themen aufgegriffen habe. Mit ihr sei "die schillerndste und wohl auch bekannteste Kinder- und Jugendbuchautorin Österreichs von uns gegangen". Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) hob die Art und Weise hervor, mit der Nöstlinger "Themen des gesellschaftlichen Zusammenlebens humorvoll in ihre Geschichten einfließen hat lassen". Das sei "unerreicht und wird jeder Leserin und jedem Leser einprägsam in Erinnerung bleiben". NEOS-Vorsitzende Beate Meinl-Reisinger bezeichnete die Schriftstellerin als "Quell an Kreativität", die auch aufgrund ihrer "immer wieder warnenden Stimme, die auf den zunehmenden Nationalismus und Abschottung in ganz Europa hinwies", fehlen werde.
 
Auch Caritas-Präsident Michael Landau zeigte sich betroffen, verliere Österreich mit Nöstlinger doch "eine starke Fürsprecherin für die Schwächsten in der Gesellschaft". Der Autorin sei es "immer um die Würde der Menschen und um ihre Rechte" gegangen. "Dabei machte sie keinen Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen. Ihr Einsatz dafür war so radikal und kompromisslos wie ihre Geschichten: Lustig und liebevoll." Und "Adieu, Christine Nöstlinger!" ließ auch das Wiener Rabenhof Theater verlautbaren, wo nach ihren Gedichten "Iba de gaunz oamen Leit" für die Bühne bearbeitet wurde: "Es war uns eine große Ehre und Freude, dass wir mit dieser großen Künstlerin und Humanistin zusammenarbeiten durften."

81-jährig verstorben

Nöstlinger, die sich mit Büchern wie "Maikäfer flieg!" oder "Die feuerrote Friederike" in die heimische Literaturgeschichte eingeschrieben hat, war bereits am 28. Juni mit 81 Jahren in Wien verstorben. Die Beerdigung in ihrem Geburtsbezirk Hernals fand im engsten Familienkreis am gestrigen Freitag statt. Zeit ihres Schaffens setzte sie sich auf humorvolle Weise mit Problemthemen auseinander, kombinierte realistische Milieuschilderung, Sozialkritik und Fantastik in einer Sprache mit Dialektanklängen und eigenwilligen Neuschöpfungen. Nicht nur bei Kindern, auch bei Erwachsenen erfreute sich Nöstlinger großer Beliebtheit, etwa mit ihren Dialekt-Gedichtbänden. Zudem verfasste sie Drehbücher, Hörspiele und Theaterstücke. Ihr gesellschaftliches wie politisches Engagement ließ die vielfach prämierte Erfolgsautorin nicht zuletzt in Zeitungskolumnen erkennen.
 
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