Wolff über seinen Freund:

Mercedes-Teamchef im Interview

Wolff über seinen Freund: "Vermisse Niki jeden Tag"

Mercedes-Racing-Chef und Lauda-Freund Toto Wolff im Interview.
 
ÖSTERREICH: Unlängst meinten Sie gegenüber ÖSTERREICH, dass Sie noch immer täglich an Niki denken …
 
Toto Wolff: Ja, deswegen fällt es mir auch jetzt schwer, über ihn zu sprechen. Niki geht mir in erster Linie als Freund ab und als Gesprächspartner. Er war mein Sparringspartner, jemand, mit dem ich mehrmals täglich gesprochen habe. Ich frage mich immer wieder in bestimmten Situationen: Wie hätte Niki jetzt reagiert, was hätte er gesagt? Gerade in der Corona-Zeit hätte Niki eine starke Meinung gehabt.
 
ÖSTERREICH: Denken Sie, wenn Sie von Corona-Patienten hören, oft an Niki?
 
Wolff: Die Parallelen sind tatsächlich erschreckend. Niki hat gehustet und gehustet. Aber bei ihm gab’s kein Fieber, das hat sich über mehrere Monate gezogen.
 
ÖSTERREICH: Nach der Lungentransplantation hatte es den Anschein, als würde Niki sich erfangen. War Ihnen in den letzten Wochen vor seinem Tod bewusst, wie schlecht es wirklich um ihn stand?
 
Wolff: Es ist ihm nicht gut gegangen, das habe ich in unseren Telefonaten gespürt. Aber irgendwann war klar, dass es zu Ende gehen würde. Aber dann habe ich wieder gedacht: Es ist Niki, und Niki steht von allem auf.
 
ÖSTERREICH: Wie haben Sie die Gedenkfeier am 29. Mai im Stephansdom in Erinnerung?
 
Wolff: Ich denke jeden einzelnen Tag an diesen Tag. 
Es hat geregnet. Die Stimmung war irgendwie ganz besonders.
 
ÖSTERREICH: Hat Mercedes etwas zum Todestag geplant?
 
Wolff: Wir haben ein Video aufgenommen, dazu wird es diverse Aktivitäten in den sozialen Medien geben. Aber dadurch, dass wir uns noch immer im Shutdown befinden, dürfen wir nicht viel tun.
 
ÖSTERREICH: Können Sie Ihr Verhältnis zu ihm beschreiben?
 
Wolff: Am Anfang unserer Zusammenarbeit bei Mer­cedes sind wir uns oft ziemlich in den Haaren gelegen. Wir waren es beide gewohnt, Entscheidungen zu treffen. Aber wir haben uns zusammengerauft und wurden Freunde.
 
ÖSTERREICH: Lauda hat stets gesagt, er habe keine Freunde …

Wolff: Nach dem Gewinn unserer vierten Weltmeisterschaft ist er im Flieger neben mir gesessen und hat gemeint: „Du weißt, ich hab’ keine Freunde. Aber wenn es einen Halbfreund gibt, dann bist du einer.“ Das war so was wie ein Ritterschlag für mich. Wir haben über alles gesprochen. Zwischen Niki und mich hat kein Blatt Papier gepasst.
 
ÖSTERREICH: Haben Sie Kontakt zu Birgit, zu Nikis Söhnen?
 
Wolff: Zu Birgit regelmäßig, weil Susie (Wolffs Ehefrau, Anm. d. Red.) gut befreundet mit ihr ist. Lukas und Mathias sehe ich ­selten, weil sie in Spanien leben, wir sind uns aber menschlich sehr nahe. Lukas hab ich beim letzten Österreich-Grand-Prix getroffen, als die Kurve nach dem Start nach Niki benannt wurde.
 
ÖSTERREICH: Wie sehr wird Ihnen Lauda fehlen, wenn Sie Anfang Juli zurück nach Spielberg kommen?
 
Wolff: Es ist surreal, dass Niki nicht mehr ist. Dass er nicht mit seiner roten Tasche heraufkommt und fragt: Was ist los? Seine Kappe wird, so lange ich Teamchef bei Mercedes bin, in der Box hängen.
 
Knut Okresek
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