Aus für Ballsaison kostet Wirtschaft 150 Mio. Euro

Opernball abgesagt!

Aus für Ballsaison kostet Wirtschaft 150 Mio. Euro

Staatssekretärin Andrea ­Mayer spricht Machtwort. Sogar „Mörtel“ versteht’s.

 

Das etwas angestaubte und absurde, aber nichtsdestotrotz jedes Jahr aufs Neue mit Spannung und Freude erwartete Spektakel am traditionell letzten Donnerstag vor dem Aschermittwoch in der Wiener Staatsoper ist für kommendes Jahr abgesagt. Der Grund liegt auf der Hand: die Covid-Pandemie.

Über 7.000 Gäste dicht gedrängt in der Staatsoper, dazu Tuchfühlung bei der Mitternachtsquadrille – das wäre tatsächlich eine grob fahrlässige „Superspreading-Party“ in Zeiten wie diesen.

 „Es war eine wirklich schwere Entscheidung“, so Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer. Man müsse aber auf Dinge, mit denen man „das Leben ausgelassen feiern“ könne, derzeit verzichten.

Sämtliche wichtige Opern­ball-Proponenten äußerten Verständnis für die Absage. Ex-Organisatorin Maria Großbauer: „Jetzt zählt, dass die Infektionszahlen möglichst niedrig gehalten werden, damit Kulturinstitutionen wie die Wiener Staatsoper ihren regulären Spielbetrieb weiter aufrechterhalten können.“

Opernball-Doyen Richard Lugner findet’s „gescheit“ und informierte sogleich seinen Stargast von der Absage. Verraten, wer es gewesen wäre, hat er aber nicht, da der Einsatz auf das Jahr 2022 verschoben wird.

Nicht von der Hand zu weisen ist aber auch, dass die Absage des Opernballs mit großen finanziellen Einbußen verbunden ist. Immerhin fließen durch den Opernball mehr als eine Million Euro in die Kasse der Oper.

Mehr als 520.000 Ballfans müssen Verzicht üben

Saison fällt aus. Die Absage des Opernballs ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Bereits in den vergangenen Wochen fällte das Komitee der Wiener Nobel- und Traditionsbälle die Entscheidung, Ärzteball, Juristenball, Ball der Offiziere, Concordiaball und den Ball 
der Pharmacie abzusagen. Vergangenes Jahr wurden Berechnungen der Wirtschaftskammer zufolge durch die 520.000 Ballbesuchern Umsätze in der Höhe von 151 Millionen Euro gemacht.

Die nächstjährige Absage des Opernballs ist übrigens erst die zweite seit 1956. Das erste Mal war 1991 infolge des Golfkrieges.

© APA/HANS PUNZ

Opernchef Rošcic: "Es tut uns sehr leid"

Bedauern. „Es tut uns allen sehr leid, dass der Opernball, der im Jahreskreislauf der Wiener Staatsoper einen solchen Fixpunkt darstellt, aufgrund der aktuellen Lage abgesagt werden musste“, sagte Staatsoperndirektor Bogdan Roščić nach der offiziellen Verkündung der Absage.
Ersatz der Verluste Roščić begrüßte die „frühzeitige Absage“ und „die Zusage von Staatssekretärin An­drea Mayer, dass der Eigentümer „den Einnahmenverlust abdecken wird“.