Alexander: Die bittere Wahrheit

Insider erzählt

Alexander: Die bittere Wahrheit

Ein Vertrauter erzählt, wie Peter Alexander wirklich war.

Am Samstag fiel am Wiener Zentralfriedhof sein letzter Vorhang. Tausende Fans nahmen Abschied von Peter Alexander (†84). Sie sagten Danke für 50 Jahre Frohsinn, Melodien zum Mitschunkeln, für das Stückchen heile Welt, das er in ihre Wohnzimmer brachte. Seit letzten Samstag ist Peter Alexander tot und keiner ist da, der ihn ersetzen kann.

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Peter Alexander: Die Aufbahrung

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    In den letzten Jahren hatte sich Österreichs Frank Sinatra vollkommen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Er wollte nicht mehr im Rampenlicht stehen, ließ nur wenige Menschen an sich heran. Ein Familien-Insider (der anonym bleiben will) erzählte ÖSTERREICH jetzt, wie Alexander tatsächlich lebte. Das Wunder, trotz all der Traurigkeit nach dem Tod seiner geliebten Ehefrau Hilde, genannt „Schnurrdiburr“, 2003 und dem Autounfall von Tochter Susanne in Thailand 2009: „Er war kein verbitterter, alter Mann“, sagt der Insider. „Er war charmant bis zuletzt, zuvorkommend, versuchte, noch Witze zu reißen, wenn er Besuch hatte.“

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    Seine Villa: So lebte Peter Alexander

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      Meist aber war Alexander allein, die Familie, jahrzehntelang der Halt des großen Entertainers, längst zerbrochen. Frau und Tochter tot, Sohn Michael (47) sein Sorgenkind. Alexander lebte als reicher Mann (sein Vermögen wird auf über 100 Millionen Euro geschätzt) in seinem kleinen Reich, fühlte sich von der Verwandtschaft oft nur wegen des Geldes besucht.

      Zwei Pflegerinnen.
      Seit dem Unfalltod von Tochter Susi in Ko Samui war sein gesundheitlicher Niedergang augenfällig. Alexander musste rund um die Uhr betreut werden. „Zwei Pflegerinnen aus der Slowakei und aus Tschechien kümmerten sich um den gebrochenen Show-Giganten. Alle zwei Wochen wechselte ihre Schicht“, schildert der Insider.

      Alexander, den seine Fans als tanzendes und ­singendes Energiebündel kannten, verlor zunehmend seine Körperkraft. Ohne fremde Hilfe ging nichts mehr. Selbst kleinste Bewegungen in der alten Villa waren ihm eine Mühsal. Benötigte er Unterstützung, klingelte Alexander nach dem Pflegepersonal. „Manchmal 50-mal am Tag. Er schämte sich so sehr für diese Hilflosigkeit“, so der Alexander-Vertraute.

      Auch Treppen steigen fiel Alexander in seiner Villa in Döbling nun schwer. Er benötigte einen elektrischen Treppenlift. Anfangs sträubte er sich gegen den Einbau, dann ließ er es ­geschehen.

      Astronautennahrung.
      Alles, was der Star liebte, musste er aufgeben: seine Leidenschaft fürs Angeln, schwimmen im Pool, mit dem Auto fahren. „Sein Schlafzimmer wurde zu einer Mini-Intensivstation umgerüstet. Mit einem Spezialbett, Sauerstoff- und Blutdruckmessgerät,“ beschreibt der Insider. In den letzten zwei Jahren, seit einer Krebsoperation, wurde Alexander mit Astronautennahrung ernährt. Dazu aß er nur mehr wie ein Spatz, meist seinen geliebten Schweinsbraten, trank ein Glaserl Rotwein dazu. Er verlor stark an Gewicht.

      Seine Umgebung ließ er vom Niedergang wenig spüren. „Er behandelte seine Haushälterin Eva, die 14 Jahre für ihn arbeitete, und das Pflegepersonal immer nett und liebevoll“, sagt der Vertraute.

      Bayern-München-Fan.
      Alexander schlief zuletzt oft bis mittags. Dann schlug er die Stunden vor dem TV-Gerät tot. Shows, Serien, Filme – all das interessierte die ehemalige Ikone der Unterhaltung nicht mehr. „Einmal hat er sich den Streifen ‚Mamma Mia!‘ angeschaut. Aber das war die Ausnahme“, so der Insider. Sport, das war sein Faible. Vor allem Fußball. „Wenn sein Lieblingsklub Bayern München gewann, dann bescherte ihm das einen kurzen Glücksmoment.“

      Doch die Trauer ließ ihn nie los.
      Jeden Nachmittag zündete er in seinem rustikal eingerichteten Wohnzimmer zur Todesstunde seiner Frau Hilde eine Kerze an. Die beiden waren 52 Jahre glücklich verheiratet. Zum Grab ging er aus Angst vor Paparazzi nur mehr in den Abend- oder Morgenstunden. Zuletzt war er zu schwach dazu. Meist aß er schon um 17 Uhr zu Abend, ging um 19 Uhr zu Bett.

      Noch etwas machte Peter Alexanders Leben zuletzt so bitter. Seine ohnehin nur mehr sehr kleine Familie war in seinen schwersten Lebensjahren für ihn wenig Stütze. Keiner da zum Trösten. Mit seinem Sohn Michael hatte sich Alexander zwar ausgesöhnt. „Aber eine herzliche Vater-Sohn-Beziehung wurde es nicht mehr“, weiß der Freund. Als der gescheiterte Unternehmer (ging mit Immo-Firma und 2,8 Millionen Euro Schulden pleite) im August 2010 die um 23 Jahre jüngere Tschechin Eliska heiratete, blieb Alexander der dritten Hochzeit seines Sohnes fern. Offiziell, weil er nicht in die ­Öffentlichkeit wollte.

      Auch mit Schwiegersohn Herbert Haidinger überwarf er sich. „Besuch von der Familie gab es meistens nur, wenn sie was von ihm wollten. Als es ihm zu lästig wurde, schob er diese unangenehme Angelegenheit an den Rechtsanwalt ab“, so der Insider.

      Rückzug.
      Der sensible Alexander zog sich immer mehr zurück. Seine 300 Quadratmeter große mit Efeu bewachsene Villa wurde zu seiner Festung. Hier lebte er mit seinen Erinnerungen. Am Klavier, am TV-Gerät oder am ­Biedermeier-Schreibtisch sieht man Bilder von seiner Hilde, Tochter Susanne, den Enkelkindern.

      Ab und zu kamen die Nachbarn, das Ehepaar Agnes und Rudolf Buchbinder, auf einen Sprung vorbei. Der Star-Pianist und seine Frau waren die Letzten, die Alexander wenige Stunden vor seinem Tod sahen. Mit Caterina Valente, seiner Film-Traumpartnerin, telefonierte er Mittwoch vor seinem Tod – zum ersten Mal seit Monaten. Man kann es Schicksal nennen.

      Alexanders Vertrauensperson aber war Haushälterin Eva. Sie sorgte sieben Tage die Woche für ihn. „Die gute Seele kochte, war Gesprächspartnerin. Sie kaufte die teuren Medikamente, die er benötigte“, sagt der Bekannte. Alexander war in der Schweiz versichert, musste das Geld für Arzneien vorstrecken und bekam es erst später von der Versicherung ersetzt. Er hatte deshalb auch oft 20.000 Euro bar im Haus. Als Dank für die Treue soll Alexander seine Köchin im Testament berücksichtigt haben.

      Auch zum Ehepaar Eselböck unterhielt der Show-Gigant eine jahrelange Freundschaft. Das letzte Mal besuchte der Spitzenkoch seinen Freund letzten Herbst. Eselböck: „Er war müde und traurig. Nur an seiner Modelleisenbahn hatte er noch Freude.“ Nun ist er bei seiner Hilde.