Trauer um Deutschlands erste TV-Polizistin

Mareike Carriere

Trauer um Deutschlands erste TV-Polizistin

Trauer um Mareike Carriere: Die Schauspielerin erlag in der Nacht zum Montag den Folgen einer Krebserkrankung. Sie sei im Kreise ihrer Familie in Hamburg gestorben, sagte eine Sprecherin des Managements in der Hansestadt der Nachrichtenagentur dpa. Carriere war unter anderem durch die ARD-Serie "Großstadtrevier" bekannt geworden. Die Schauspielerin wurde 59 Jahre alt.

Eine Frau in der Männer-Domäne

Heute regt das keinen mehr auf. Als Mareike Carriere jedoch 1986 gleich in der allerersten Folge unter dem Titel "Mensch, der Bulle ist eine Frau" auf dem Revier eingeführt wurde, war das noch etwas Besonderes. Als Deutschlands erste Fernsehpolizistin mischte sie in den 1980er Jahren das männerdominierte "Großstadtrevier" in der ARD auf. In der Rolle der Ellen Wegener wurde sie an der Seite von Schauspielern wie Arthur Brauss und später Jan Fedder einem Millionen-Publikum bekannt. In der Vorabendserie spielte Mareike Carriere auch mit Gaststars wie Freddy Quinn.

Eine geborene Schauspielerin
Schon als Kind wollte Carriere, die 1954 in Hannover als Tochter eines Psychiaters geboren wurde, Schauspielerin werden. In Lübeck aufgewachsen, trat sie zusammen mit ihrem Bruder Mathieu mit acht Jahren als böse Königin in "Schneewittchen" auf. Mit 16 Jahren begann sie ihre Ausbildung an der Lübecker Schauspielschule und legte erst danach auf Wunsch der Eltern ihr Abitur ab. Anschließend studierte sie an der Pariser Sorbonne Französisch und Englisch und erwarb ein Diplom als Übersetzerin. Es folgten erste Bühnenengagements in Lübeck, Paris und Berlin.

Begnadete Theater-Schauspielerin
Mit 18 Jahren spielte sie die Titelrolle in Carlo Goldonis "Bettina oder Das ehrsame Mädchen" am Jungen Theater Lübeck. Ihren ersten bedeutenden Erfolg hatte Mareike Carriere 1978 in dem Fernsehspiel "Flamme empor", einem Pubertätsdrama, das in den 1930er Jahren spielte. Unter tausend Bewerberinnen hatte man sie für die Hauptrolle einer Schülerin ausgewählt, die sich von der NS-Ideologie abgrenzen will. 1979 erhielt sie für diese Rolle den Kritikerpreis. Neben Gudrun Landgrebe und ihrem Bruder Mathieu spielte sie 1984 in dem Kinofilm "Yerma", 1989 stand sie neben Liv Ullmann und Maximilian Schell in "The Rosegarden", einem Film über die Schatten der NS-Vergangenheit, vor der Kamera.

Durchbruch im TV mit "Großstadtrevier"
Die ARD-Vorabend-Serie "Großstadtrevier" machte sie zu einem der bekanntesten Fernsehgesichter der 1980er Jahre. Für die Rolle nahm sie Karate- und Schießunterricht, hospitierte bei der Polizei und erhielt 2005 die "Goldene Kamera". 1994 stieg sie nach 62 Folgen aus der Erfolgsserie aus. Die Doppelfolge um ihren Tod hatte die höchste Quote in der "Großstadtrevier"-Geschichte. Ebenso erfolgreich wurde die Serie "Praxis Bülowbogen" (ARD, 1986-1995), in der sie als Ärztin neben Günter Pfitzmann zu sehen war. In der Jugendserie "Die Schule am See" (ARD, 1996-1999) spielte die Schauspielerin, die sich nie auf bestimmte Rollen festlegen wollte, eine unorthodoxe und beliebte Lehrerin.

Bewegtes Leben
Die vielseitige und polyglotte Schauspielerin lebte vier Jahre in Saint-Germain-des-Pres in Paris, bevor sie 1980 nach Berlin zog. Von 1981 bis 1994 war sie mit dem Filmproduzenten Joachim von Vietinghoff verheiratet. 1993 verlegte sie ihren Wohnsitz nach Hamburg und heiratete dort 1997 den Zahnarzt Gerd Klement. Hier hat sie sich auch sozial engagiert, unter anderem unterstützte sie das Kinderhilfswerk UNICEF und förderte das Hospiz Hamburg-Leuchtfeuer. Ihren letzten Auftritt im Fernsehen hatte die beliebte Schauspielerin 2012 in der ARD-Serie "Heiter bis tödlich - Morden im Norden".
 

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