Oma als Babysitter

"Granny Au-pairs" erobern die Welt

Interrail und Au-pair, das waren einst Symbole der Jugend. Inzwischen gibt es Interrail-Senior, und auch Großmütter lassen sich seit kurzem in ausländische Haushalte vermitteln: "Granny Au-pair" heißt die Agentur einer Hamburgerin, die seit Anfang 2010 erfolgreich ältere Frauen an Gastfamilien in aller Welt vermittelt.

Eingeschlagen
"Es hat eingeschlagen wie eine Bombe", sagt die 50-jährige Michaela Hansen gegenüber der APA. Die Idee kam der Hamburger PR-Beraterin vor rund zwei Jahren beim Fernsehen, als eine Sendung über Au-pair-Mädchen lief. Sie hätte so etwas gerne selbst einmal gemacht, habe aber früh geheiratet und Kinder bekommen. So gründete sie eine Agentur und machte die Idee über Medien und im Internet bekannt.

 "Es kam schnell ins Rollen", so Hansen. In den bald zwei Jahren hätte sie rund 70 Frauen vermittelt, zumeist aus Deutschland, aber auch aus den angrenzenden Ländern wie Österreich. "Es sind gut ausgebildete Frauen, meist um die 60, aus verschiedenen Berufen." Sekretärinnen seien ebenso darunter wie Lehrerinnen, Diplom-Pädagoginnen und Stewardessen. Einige der Damen waren schon mehrmals auf "Granny Au-pair".

Rund um den Erdball
Vermittelt werden die Frauen rund um den Erdball: Von Tasmanien bis China, von Indien bis Afrika. Sowohl Gastfamilie wie Interessentin zahlen Aufnahme- und Vermittlungsgebühr, doch zusammentun müssen sie sich selbst, es gibt keine Überprüfungen der Bewerberinnen oder Interessenten aus aller Welt. "Wir sind keine klassische Au-pair-Agentur", sagt Hansen, "die Frauen machen eine private Reise." Das Feedback sei aber überwiegend positiv.

Gastfamilien
Zwischen zwei Monaten und einem Jahr sind die Frauen von zu Hause fort. Einige sind alleinstehend, andere lassen ihre Männer für ein Jahr allein zurück, um sich im Ausland um Kinder und Haushalt einer Gastgeberfamilie zu kümmern. Dort erhalten sie Kost und Logis. Speziell ausgebildet werden die Frauen nicht: "Das sind alles Tätigkeiten, die einer lebenserfahrenen Frau über 50 in der Regel leicht von der Hand gehen", sagt Hansen.

Fremde Länder

Die Überlegung bei ihrer Initiative waren die unerfüllten Lebensträume, denen Menschen in der zweiten Lebenshälfte nachhängen. Als "Granny Au-pair" könnten ältere Frauen ihre Sprachkenntnisse verbessern, ein fremdes Land kennen lernen und Anschluss an Gastfamilien finden. Die wiederum würden die Lebenserfahrung und Geduld der Omas auf Zeit zu schätzen wissen, denn die Frauen verstünden zu Kochen, zu Backen und Geschichten zu erzählen, da sie zumeist selbst Kinder groß gezogen hätten.

Sie selbst habe sich noch nicht als "Granny Au-pair" versucht, gibt Hansen zu, da sie derzeit rund um die Uhr vermittle. "Auch habe ich zwei Enkelkinder, die mich brauchen." Doch irgendwann möchte sie es probieren: "Vielleicht in zehn Jahren, habe ich mir vorgenommen. Ich habe ja jetzt Kontakt zur ganzen Welt, und das finde ich schon sehr befriedigend."

Mehr Infos: www.granny-aupair.com

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