Gärten im Rausch der Blüte

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Gärten im Rausch der Blüte

Und plötzlich, eines Tages, sind sie da. Weiße, rosa, und magentafarbene Blüten mit auffallenden Staubgefäßen tauchen wie aus dem Nichts auf und machen über Nacht aus den kahlen Bäumen des Winters echte Prachtkerle und aus dem Garten impressionistische Gemälde. Was wäre der Frühling ohne die weithin sichtbaren blühenden Bäume? Erstaunlich: Dieser Farbrausch der Natur wird schon im Herbst in den Knospen angelegt, wenn die Triebe für den kommenden Frühling vorbereitet werden. Sie sind durch Schuppen so gut geschützt, dass während des Winters kein Wasser eindringen kann und auch keine Schädlinge den Weg hineinfinden. Sobald die Knospen die Wärme und das schmeichelnde Sonnenlicht des Frühlings spüren, beginnen sie auszutreiben.

Lockmittel Blüte

Die blühenden Obstbäume sind eine wahre Zierde im Garten und in der Landschaft. Doch der Zweck des herrlichen Naturspektakels ist natürlich die Befruchtung durch Insekten und Wind. So transportieren Bienen und Hummeln den Blütenstaub aus den Staubgefäßen auf die Narbe, wo der Pollenschlauch durch den Griffel schließlich zum Fruchtknoten wächst. Bei Obstbäumen können sich aus den Blüten des Frühlings nur dann Früchte im Sommer bilden, wenn eine Befruchtung stattgefunden hat. Eine volle Blüte macht also noch keine reichhaltige Ernte. Insbesondere bei Apfel-, Birnen- und Kirschbäumen muss man beachten, dass die Blüte von einer zweiten Sorte oder sogar durch zwei verschiedene Sorten befruchtet werden muss, damit aus der Blüte eine Frucht wird.

Apfelblüte - Garten-CH - NaturLust #15 - NaturGarten S. 22-27 © Gary K Smith

Das heißt: auch wenn der Apfelbaum jetzt in voller Blüte steht, braucht es Insekten plus eine geeignete Apfelsorte in der Nähe, damit im September die Äpfel vom Baum fallen. Tipp: Für die Fremdbefruchtung einen kleinen blühenden Zwei einer Befruchtersorte in der Nähe des zu befruchtenden Obstbaumes aufstellen, oder auf einen vorhandenen Apfelbaum als Ast dazu veredeln. Keine Früchte, dafür aber atemberaubende Schönheit schenken uns die Ziergehölze, die jetzt nach und nach ebenfalls erblühen. Wie die Magnolie. Sie ist wohl das Prachtvollste, das die Pflanzenwelt im Frühling zu bieten hat: Schon ein einziges Exemplar mit den tulpenartigen Blüten verwandelt das kümmerlichste Fleckchen Erde in eine Parzelle des Paradieses.

Apfelblüte (Malus)

Apfelblüte 1 - Garten-CH - NaturLust #15 - NaturGarten S. 22-27 © John Beedle

Diese Knospen und Blüten sind ebenfalls kleine Wunderwerke der Natur. Obwohl schon unsere Vorfahren den sauren Wildapfel (Malus sylvestris) als Nahrung verwendeten, sind echte Kulturäpfel erst seit dem frühen 12. Jahrundert bekannt. Aber auch hübsche Zieräpfel wie etwa Malus "Red Obelisk" tragen essbare Früchte. Alle Arten sind für ihre wunderschönen Blüten bekannt. Apfelbäume wachsen in jedem guten, leicht feuchten, aber nicht nassen Gartenboden. Auch darf dieser Boden nicht zu sauer sein. Die Apfelblüte wird für den phänologischen Kalender und zur Dokumentation des Klimawandels herangezogen: Wissenschaftliche Studien zeigen, dass sich in den vergangenen dreißig Jahren der durchschnittliche Blühbeginn je nach Region um sechs bis zehn Tage nach vorne verschoben hat.

Birnenblüte (Pyrus)

Birnenblüte - Garten-CH - NaturLust #15 - NaturGarten S. 22-27 © Bruno Crescia Photography

Was in Japan die Kirschblüte und in der Wachau die Marillenblüte, ist im Mostviertel die jährliche Birnbaumblüte. Ab Mitte April bieten die Orte der Moststraße rund um Amstetten und Haag einen traumhaften Anblick. Auf den ersten Blick hebt sich der blühende Birnbaum nicht sonderlich vom Kirsch- und Zwetschkenbaum ab. Die fünf Kronblätter der zwittrigen Birnenblüte jedoch umschließen im Inneren nicht nur ein, sondern fünf Fruchtblätter und auch ihre Staubbeutel, von denen jede Blüte etwa zehn besitzt, sind markant rot. Wie der Apfelbaum benötigt auch der Birnenbaum im Garten einen sonnigen und windgeschützten Standort.

Marillenblüte (Prunus armeniaca)

Marillenblüte - Garten-CH - NaturLust #15 - NaturGarten S. 22-27 © Ivan Vasilev

Die weiß-rosa Blüten der Marille gehören zu den schönsten Frühjahrsboten. Im Gegensatz zu anderen Gewächsen hat der Marillenbaum nur eine kurze Ruheperiode im Winter und treibt im Frühjahr relativ früh aus. Zwischen zehn Tagen und drei Wochen dauert dann die Pracht. Diese Schönheit ist allerdings empfindlich gegen Spätfrost: Marillenbäume sollten daher nicht an einem vollsonnigen Ort gepflanzt werden, um einen zu frühen Austrieb zu vermeiden. Tipp: Mit der Webcam sehen Sie wie es um die Blüte steht: www.wachauermarille.at

Pfirsichblüte (Prunus persica)

Pfirsichblüte - Garten-CH - NaturLust #15 - NaturGarten S. 22-27 © Dieter Schinner - DS Foto Design

Die Blütezeit des Pfirsichs, der zur Familie der Rosengewächse gehört, liegt im April. Je nachdem wie frühlingshaft und warm das Wetter ist, öffnet er in der ersten und dritten Aprilwoche seine zarten rosa Blüten. Die Blüten müssen bei kalten Temperaturen vor dem Frost geschützt werden, da sie sehr kälteempfindlich sind. Bei uns wachsen Pfirsichbäume häufig in Form von Buschbäumen, die eine Höhe von etwa vier Metern erreichen. Der Pfirsichbaum ist anspruchsvoll und braucht einen regelmäßigen Rückschnitt, um seine Blütenpracht und den Fruchtreichtum zu erhalten.

Kirschblüte (Prunus)

Kirschblüte - Garten-CH - NaturLust #15 - NaturGarten S. 22-27 © Night And Day Image

Sie sind an Eleganz kaum zu übertreffen: die beeindruckenden und oft gefüllten blüten der Japanischen Zierkirsch (Prunus serrulata), die wegen ihrer Form und des angenehmen, leichten Duftes auch als Nelkenkirsche bezeichnet wird und fernöstliches Flair in unsere Gärten bringt. Die Japaner sind von der Pracht so fasziniert, dass sie jeden Frühling das Kirschblütenfest feiern: Hanami, was übersetzt, "Blüten betrachten" bedeutet. Es gibt zahlreiche Zuchtformen von straff säulenartig wachsenden bis zu zehn Meter hohen Bäumen mit weit ausladenden Kronen und einem wahren Blütenmeer. Zierkirschen sollten nur mäßig und erst drei Jahre nach der Pflanzung geschnitten werden. Daneben erfreuen auch die kultivierten und Früchte tragenden Formen mit ihrer Blütenfülle. Die Kirschblüte beginnt bei uns je nach Witterung im Schnitt in der zweiten Aprilhälfte noch vor der Apfelblüte.

Rosskastanienblüte (Aesculus)

Rosskastanienblüte - Garten-CH - NaturLust #15 - NaturGarten S. 22-27 © Mike Bentley

Weiß, manchmal auch mit rosa Farbtupfern blüht im April und Mai die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum). Die Blüten, die sich aus kegelförmigen und dunkelrotbraun gefärbten Knospen entwickeln, stehen aufrecht wie eine Kerze und werden bis zu 30 Zentimeter groß. Die aus Südeuropa stammende Rosskastanie zählt heute bei uns zu den beliebtesten Allee- und Parkbäumen, kann aber auch im Garten gesetzt werden. Dafür sollte man allerdings ausreichend Platz haben. Am besten für Gärten geeignet ist die rotblühende Rosskastanie (Aesculus x carnea) - eine Hybride.

Magnolienblüte (Magnolia)

Magnolie - Garten-CH - NaturLust #15 - NaturGarten S. 22-27 © Bernd Wittelsbach

Botanisch betrachtet ist die Pflanze mit den prachtvollen tulpenartigen Blüten ein großer Strauch, der bis auf Baumhöhen von zehn Metern wachsen kann. Über 230 Arten gibt es heute, wobei die am weitesten verbreitete und schönste die Tulpen-Magnolie (Magnolia x soulangeana) ist. Sie braucht eine große Bühne und sollte solitär stehen. Für kleine Gärten ist die Sternmagnolie (Magnolia stellata) geeignet, die schon zu Beginn des Frühlings ihre anmutigen Blüten mit den schmalen Blütenblättern öffnet. Ab Mitte April blüht die populäre Purpur-Magnolie (Magnolia liliiflora), ein mittelgroßer Strauch mit rosa- bis weinroten Blüten. Tipp: Mangolienblüten sind nicht immun gegen Frost. Wer auf Nummer sicher gehen will, wollte Sorten pflanzen, die erst ab Mai und Juni blühen.

Zitronenblüte (Citrus)

Zitronenblüte - Garten-CH - NaturLust #15 - NaturGarten S. 22-27 © Harry Laub/www.halaub.de/Corbis

Die duftende Zitrone wächst als kleiner bis mittelgroßer immergrüner Baum. Sie fällt mit ihren rosa Knospen und ihren weißen Blütenblättern auf, die an der Unterseite rosa bis violett schimmern. Die Blüten erscheinen über das Jahr verteilt mit einem dicken Fruchtknoten. Zitruspflanzen sind Selbstbefruchter, d. h. aus jeder Blüte entsteht eine neue Frucht. An einem optimalen Standort blühen sie bis zu dreimal im Jahr und es kann vorkommen, dass auf einer Pflanze gleichzeitig Blüten und fast reife Früchte hängen.

Mandelblüte (Prunus dulcis)

Mandelblüte - Garten-CH - NaturLust #15 - NaturGarten S. 22-27 © Frank Lukassek - Corbis

Aufgrund ihres frühen Blüh-Termines, von Jänner bis April, gehören die Mandeln zu den am frühesten blühenden Obstgehölzen. Mandeln gehören, ebenso wie zum Beispiel der Pfirsich, zu sogenannten Steinobst. Essbar ist der Samen (Kern), der von einer harten Schale (Stein) umgeben ist. Die außen liegende grüne Fruchtschale reißt bei Reife auf und wird vor dem Verzehr ebenfalls entfernt. Die meisten Mandelsorten benötigen einen Befruchter. Dafür eignen sich andere Mandelsorten, aber auch Pfirsichsorten. Innerhalb der Art unterscheidet man verschiedene Unterarten, von denen aber nicht alle essbar sind.

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