Zu viele Kaiserschnitte in Wien

Rate soll gesenkt werden

Zu viele Kaiserschnitte in Wien

Mehr als 30 Prozent aller Wiener Kinder kommen per Kaiserschnitt zur Welt. Das kann nicht nur Auswirkungen auf die Zufriedenheit der Mutter im Wochenbett und das Stillverhalten haben, sondern auch Langzeitfolgen für Mutter und Kind. Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) möchte deshalb mit besserer Information die Wiener Kaiserschnittrate in Zukunft auf etwa 20 Prozent senken.

Was Ihr Geburtsmonat verrät 1/12
Jänner Höheres Risiko für Epilepsie und Alzheimer; tendenziell Frühaufsteher
Februar Höheres Risiko für Essstörungen und Pollenallergien
März Überdurchschnittlich früh einsetzende Wechseljahre bei Frauen; höheres Risiko für  Kindheit-Diabetes
April Höhere Kinderzahl und Körpergröße bei Männern
Mai erhöhtes Multiple-Sklerose-Risiko; eher Nachtmenschen
Juni Geringes Geburtsgewicht; viele Nobelpreisträger
Juli Häufiger starke Kurzsichtigkeit; geringere Kinderzahl bei Frauen
August Erhöhtes Risiko für Hausstauballergien; tendenziell Nachtmenschen
September Höheres Risiko für Asthma, geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Oktober Höheres Risiko für Hunde- und Katzenallergie; überdurchschnittlich späte Menopause bei Frauen
 
November Geringes Risiko für Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose; hohe  durchschnittliche Lebenserwartung (gut neun Monate mehr als bei Mai-Geborenen)
Dezember Höheres Risiko für Morbus Crohn; besonders viele Kinder bei Frauen
 


Angst vor natürlicher Geburt
In einer Studie mit insgesamt 1.829 Wiener Frauen, die im Wochenbett und einige Monate nach der Geburt befragt wurden, fahndete die Stadt Wien nach den Gründen für den anhaltenden Trend zum Kaiserschnitt, medizinisch Sectio genannt. "Es liegt nicht am Alter, der Zusatzversicherung oder am Bildungsstand", so Wehsely. Vielmehr würden sich vor allem Frauen für den Eingriff entscheiden, die sich vor der natürlichen Geburt fürchten, glauben, diese nicht durchzustehen, oder Mütter, die bereits einen Kaiserschnitt hinter sich haben.

Schmerzen nach der Geburt
Denn grundsätzlich träten nur 1,5 Prozent der Frauen zu Beginn der Schwangerschaft mit einem dezidierten Wunsch nach einer Sectio an die Spitäler heran. "85 Prozent der Befragten würden eine Spontangeburt bevorzugen", erklärte die Gesundheitsstadträtin. Erst mit der nahenden Geburt überlegen es sich viele werdende Mütter anders - vielen seien vor allem die Schmerzen nach dem Kaiserschnitt nicht ausreichend bewusst. "Da müssen wir besser informieren", so Wehsely. Sie plant unter anderem eine leicht verständliche Info-Broschüre zu allen Geburtsarten und einen Ausbau der psychosozialen Betreuung.

Spontane Eingriffe
In den meisten Fällen handelte es sich um geplante Kaiserschnitte etwa bei Mehrlingsgeburten, Frühgeburten oder Beckenendlagen. Nur 13 Prozent seien sogenannte sekundäre Sectios - also aus medizinischen Gründen spontan durchgeführte Eingriffe. "Besonders auffällig war die Wiederholungsrate", meinte die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte Beate Wimmer-Buchinger. Haben Frauen bereits eine Sectio hinter sich, wird das nächste Kind zu 77 Prozent wieder per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Auch bei Erinnerungen an eine vergangene schmerzhafte Geburt tendieren mehr als die Hälfte der Frauen zum operativen Eingriff.

Auswirkungen
Allerdings: Nur 24 Prozent der Mütter würden einen Kaiserschnitt vermutlich oder klar weiterempfehlen. Frauen, die eine natürliche Geburt hinter sich haben, haben im Wochenbett zudem weniger Schmerzen, zeigen sich selbstsicherer und zuversichtlicher. Besonders schlecht geht es Müttern mit ungeplanten Sectios. "Auch die Langzeitwirkungen von Kaiserschnitten wurden bisher unterschätzt", meinte Paul Sevelda, Vorsitzender der Fachkommission Gynäkologie und Geburtshilfe des Wiener Krankenanstaltenverbundes. Der Eingriff könne nicht nur Auswirkungen auf das Stillen haben, sondern auch die nächste Schwangerschaft bzw. die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Die Kinder haben ein erhöhtes Allergie- und Asthmarisiko.

Den weltweiten Anstieg führt er auf die Weiterentwicklung der OP-Techniken und einer gewissen "Modeentwicklung zum Wunsch-Kaiserschnitt" zurück. Um diesem Trend weiter Einhalt zu gebieten, möchte Sevelda die Folgen und Langzeitwirkungen der Sectio auch im Standardrevers - der schriftlichen Erklärung des Patienten vor dem Eingriff - festhalten.
 

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