Nach Lichtenegger-Eklat

Austro-Musiker fordern 40%-Quote von Ö3

40 Prozent der Musik im ORF und auf Ö3 soll österreichischen Ursprungs sein.

Im April trat die eine respektlose Aussage von Ö3-Moderatorin Elke Lichtenegger über die österreichische Musikszene eine wahre Lawine an Beschwerden los. Nun will man darauf reagieren und österreichische Musiker besser unterstützen.

Verbindliche Quote
Die heimische Musikszene fordert eine verbindliche Quote für österreichische Musik im ORF. Bei einem Runden Tisch, zu dem SPÖ-Kultursprecherin Elisabeth Hakel am Montag ins Parlament geladen hat, wurden insgesamt vier Forderungen formuliert. Grundsätzlich beklagte man, dass der ORF "durch die Nicht-Repräsentanz österreichischer Musik einen ganzen Wirtschaftszweig gefährdet", so Thomas Rabitsch.

Rahmenbedingungen schaffen
Der Musikproduzent war einer von 14 Teilnehmern, die für eine Quote von 40 Prozent von heimischer Musik in den ORF-Medien eintreten. Dies würde auch dem europäischen Durchschnitt entsprechen, wie man bei einem Pressegespräch im Anschluss an das Treffen erläuterte. Daneben pochte man auf Wertschätzung seitens des ORF, der "österreichische Musik angemessen zu präsentieren" hätte.


Mehrfach angesprochen wurde auch die noch bis Ende des Jahres geltende Musikcharta, die im Jahr 2009 ins Leben gerufen wurde. Bisher hätte sich aber gezeigt, dass die vom ORF und den Musikschaffenden unterzeichnete Vereinbarung vom öffentlich-rechtlichen Sender nicht eingehalten werde. Gerade Ö3 mache dies deutlich, werde dort doch so wenig heimische Musik gespielt wie nie zuvor, kritisierte Universal Music-Chef Hannes Eder. Für diesen Fall wären Konsequenzen vorzusehen, wobei sich weder Hakel noch die Vertreter der Musikszene näher zu einer möglichen Ausgestaltung äußern wollten. Mit den Forderungen wolle man aber keinesfalls in die redaktionellen Abläufe eingreifen, sondern angemessene Rahmenbedingungen schaffen.

Prüfung der Forderung
Juristisch geprüft wird laut Hakel derzeit noch, ob eine Quotenregelung auch mit den Grundfreiheiten der EU vereinbar ist. In weiterer Folge stehen jedenfalls Gespräche mit Kultur- und Medienminister Josef Ostermayer (SPÖ), mit dessen Büro man in einem guten Dialog stehe, sowie dem ORF an. Hakel hatte mit dem Quoten-Vorschlag bereits vor einigen Tagen aufhorchen lassen. Unterstützung erhielt die Politikerin in der Folge von Kulturverbänden, die im Nischendasein heimischer Kultur ein "massives Problem" orteten.

So denken Promis
Viele Prominenten äußerten sich öffentlich zu diesen Forderungen und können den groben Missstand, den die Quote beheben soll, nur bestätigen. „Seit dem 1. Oktober 1967, dem Gründungstag von Ö3 hat es noch nie so eine niedrige Österreicher-Quote gegeben“, meint etwa Hannes Eder. Auch Lukas Plöchl, der sowohl solo, als auch zusammen mit seinem Freund Manuel Hoffelner als Trackshittaz Erfolge feiert, fühlt sich vom Ö3 nicht genug unterstützt. „Ich weiß gar nicht, ob Ö3 einen Musikförderungsauftrag hat, weil von dem siehst halt nix. Und das ist halt irgendwie schade, wenn das der Fall ist. Dann tut’s das Ö weg und nennt’s euch einfach 3“, so Plöchl enttäuscht im Interview.

Ö3-Programmchef Georg Spatt zeigt sich gesprächsbereit. Ihm liegt vor allem daran, die angespannte Lage zwischen österreichischen Musikern und dem Radiosender zu verbessern. Die kritische Meinung der Musiker und der Produzenten ist berechtigt. "Uns tut es leid, weil ich weiß um das angespannte Verhältnis zwischen Ö3 und der österreichischen Musikszene seit vielen, vielen Jahren", erklärt Spatt begutigend. Fragt sich nur, wenn er es seit so vielen Jahren wusste, warum hat er früher nichts unternommen?

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