Casper rockt sich aus dem "Hinterland"

Neues Album

Casper rockt sich aus dem "Hinterland"

"Konsensrapper" thematisiert seine Provinzherkunft mit neuer Platte.

Ein Sommerabend vor gut 14 Monaten sollte den Aufstieg von Casper zu einem der aktuell angesagtesten Rapper endgültig zementieren. Nachdem er mit seinem über Genregrenzen hinaus gefeierten Durchbruchalbum "XOXO" Röhrenjeans, Gitarrensound und Melancholie im deutschen Sprechgesang salonfähig gemacht hatte, kürten ihn die Macher des Splash-Festivals zum Headliner der kommenden Auflage. Die Ankündigung für die größte deutsche Hip-Hop-Bühne quittierten die Fans in Erwartung eines US-Künstlers jedoch mit wüsten Buhrufen. "Extrem verletzt" sei er gewesen, berichtet Casper noch heute über einen "der schrecklichsten Momente meines Lebens".

Hier eine kleine Hörprobe "Hinterland"



"HInterland" nimmt anlauf auf Charts

Aus der Anerkennung eigener Angreifbarkeit und der Stilisierung als Außenseiter bezieht auch das am 27. September erscheinende dritte Studioalbum "Hinterland" seine größte textliche Faszination. "Dies ist kein Abschied, denn ich war nie willkommen", formuliert der 30-Jährige als erste Zeile, thematisiert im Titelsong sein Aufwachsen als Jugendlicher im kleinen lippischen Dorf Bösingfeld knapp 50 Kilometer östlich von Bielefeld, beschreibt die Enge in einem konservativen Nest: "Wo jeder Tag aus Warten besteht."

Auf Springsteens Spure
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Die Parallelen zu Bruce Springsteens "Badlands" sind gewollt, Reminiszenzen an Tom Waits beabsichtigt. Er habe inzwischen herausgefunden, "dass ich eigentlich ein Singer-Songwriter bin, nur leider einer, der weder ein Instrument spielen noch singen kann", sagte Casper jüngst der "Berliner Zeitung". Mit gewohnt krächzender Stimme zitiert er munter eine Stelle aus dem indizierten "Bullenschweine" der Punklegenden von Slime, fügt Passagen von Ton Steine Scherben und Die Sterne zusammen. Während die Themen, wie zum Beispiel der Unfalltod seiner Halbschwester, gewohnt schwermütig daherkommen, geht der selbstironisch titulierte "Vater des Hipster-Raps" musikalisch dezent neue Wege. Nach den Hardcore-Einflüssen des Vorgängers wird der Bogen von bombastisch-bläserlastigen Orchester-Arrangements, über Folk und Stadionrock bis zu choralen Refrains zum Mitgrölen gespannt.

Pop ist kein Schimpfwort
Dieses Überschreiten von Barrieren hat ihm längst den Ruf als "Deutschlands bester Rapper" ("Spex") eingebracht, die Rockzeitung "Visions" holte ihn als ersten Hip-Hop-Künstler seit fast 20 Jahren auf ihr Cover. "Das Wort Pop ist kein Schimpfwort", erklärt Casper seine Maxime. So gleichen seine Konzerte angesichts des Kreischpegels in den vorderen Reihen zwar Auftritten von Boybands, doch auch ein Großteil der Hip-Hop-Gemeinschaft hat Frieden mit dem Grenzgänger gemacht. Nach Festival-Vorstellungen wie Rock am Ring wurde er diesen Sommer schließlich doch auch auf der Splash-Bühne von mehr als 10.000 Fans bejubelt. "Die Hälfte findet mich geil", resümiert Casper seine Stellung. "Die Hälfte findet mich zum Kotzen."

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