1920/2020 - Tour durch Kärntner Selbstbild in Stadtgalerie Klagenfurt

Ausstellung "Kärnten Koroska von A bis Z" von 1. Oktober bis 17. Jänner 2021 zu sehen - Mal beklemmender, mal heiterer Einblick in Themen, die "die Kärntner Selbstsicht prägen"

Kärnten von A wie Abwehrkampf bis Z wie Zweisprachigkeit darzustellen - dieses Ziel haben sich Bernd Liepold-Mosser und Karla Fehlenberg gesetzt. Ihre durchgängig zweisprachig gehaltene Ausstellung in der Stadtgalerie Klagenfurt ist ab morgen, Donnerstag, zu sehen und bietet einen mal beklemmenden, mal heiteren Einblick in Themen, die laut Liepold-Mosser "die Kärntner Selbstsicht prägen". Dabei wird auch vor U wie Ulrichsberg oder B wie Bärental nicht Halt gemacht.

Die Ausstellung hängt eng mit Liepold-Mossers Stück "Servus Srecno Kärntenpark" zusammen, das ebenfalls am morgigen Donnerstag am Stadttheater Klagenfurt Premiere feiert. Wer will, kann sich also schon vor der Premiere in der Stadtgalerie einen Vorgeschmack holen - auf Themen, die nicht nur Kärntner mit ihrem Heimatbundesland in Verbindung bringen, und die hier mit einer gehörigen Prise Ironie präsentiert werden.

Was in dem Mix durcheinandergewürfelt wird und trotzdem zusammenpasst, wird schon im ersten Raum deutlich: Abwehrkampf, Bärental und Chor werden hier dargestellt. Der Abwehrkampf mit bisher unveröffentlichten Fotos, das Bärental dann wieder anhand eines ausgestopften Bären aus dem Landesmuseum, eines Holzschnitts - und eines "Jörgi-Bärs", dem Werbegeschenk des ehemaligen freiheitlichen Landeshauptmannes Jörg Haider, der in diesem Tal seinen Wohnsitz hatte.

Das Thema Chor dreht sich, wie Liepold-Mosser am Mittwoch bei einer Presseführung sagte, schließlich um die "wichtigste kulturelle Praxis" im Land - und die, wie viele Themen der Ausstellung, auf ein Paradoxon im Zusammenleben der Volksgruppen verweist: "Die Melancholie im Kärntnerlied wäre ohne den slowenischen Einfluss nie so ausgeprägt gewesen, und doch wurde der Kärntner Chorgesang früher stark verwendet, um das Deutschtum zu betonen."

Landschaftsbilder unter dem Buchstaben L sind ebenso zu finden, wie gleich nebenan der Buchstabe K, mit dem das Kapitel Kärntneranzug angeschnitten wird. Räumlich nebeneinander finden sich die Themen Minderheit, Ortstafeln und Staatsvertrag - und die kniffligen Buchstaben am Ende des Alphabets verweisen auf Xenophobie, Y-Generation und Zweisprachigkeit. Durchaus mit einem Blick in die Zukunft, wie Liepold-Mosser glaubt: Bei der jungen Generation würden ideologische Fragen rund um das Volksgruppenthema lange keine so große Rolle mehr spielen, wie einst zur Zeit der Ortstafelsturms. Dem flächendeckenden Abmontieren und Beschädigen von zweisprachigen Ortstafeln im Jahr 1972 ist ebenfalls ein Bereich in der Ausstellung gewidmet.

(S E R V I C E - Die Ausstellung "Kärnten Koroska von A bis Z" ist von 1. Oktober bis 17. Jänner 2021 zu sehen, noch bis Jahresende bei freiem Eintritt. Täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr. Stadtgalerie Klagenfurt, Theatergasse 4, https://www.stadtgalerie.net/)

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