Berg-Karabach: Türkei zu militärischer Hilfe für Aserbaidschan bereit

Schlagabtausch zwischen Ankara und Paris - GRAFIK

In dem neu aufgeflammten Konflikt um die Kaukasus-Region Berg-Karabach hat die Türkei Aserbaidschan offiziell militärische Unterstützung zugesichert. Die Türkei werde bei einem Hilfegesuch Aserbaidschans "tun, was notwendig ist", sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Mittwoch auf eine entsprechende Frage von Journalisten der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Am Dienstag hatte die Regierung in Ankara die Darstellung Armeniens als falsch zurückgewiesen, die türkische Luftwaffe habe einen armenischen Kampfjet abgeschossen. Die Regierung Armeniens veröffentlichte am Mittwoch Fotos des Flugzeugwracks und bekräftigte ihre Vorwürfe an die Türkei.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat unterdessen einen Waffenstillstand gefordert und gleichzeitig Aserbaidschan in die Verantwortung genommen. Es sei "erwiesen", dass die Schüsse am Sonntag, als der Konflikt wieder aufflammte, aus Aserbaidschan gekommen seien, sagte Macron am Mittwoch bei einem Staatsbesuch in der lettischen Hauptstadt Riga. Baku macht hingegen armenische Truppen für das Aufflammen der Kämpfe verantwortlich.

Macron sagte, die politischen Äußerungen der Türkei halte er für unüberlegt und gefährlich. Er habe aber noch keinen Beweis für eine Beteiligung regionaler Mächte wie der Türkei an dem Konflikt, sagte der französische Präsident.

Der türkische Außenminister reagierte auf Macrons Kritik umgehend: In dem Interview mit Anadolu erklärte er, Frankreichs Solidarität mit Armenien komme einem Freibrief für eine Besetzung Aserbaidschans gleich. Macron kündigte an, über den Konflikt am Mittwochabend mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und am Donnerstag mit US-Präsident Donald Trump zu beraten.

Zwischen den beiden verfeindeten Ländern Armenien und Aserbaidschan ist es indes am vierten Tag in Folge zu schwerem Beschuss im Konflikt um die Südkaukasusregion Berg-Karabach gekommen. Mittwoch früh habe es Artilleriefeuer an der gesamten Demarkationslinie in Berg-Karabach gegeben, teilte eine Sprecherin des armenischen Verteidigungsministerium in Eriwan mit.

Das Militär in Aserbaidschan behauptete hingegen, dass die Stadt Terter (Tartar) auf eigenem Staatsgebiet von den Armeniern angegriffen worden sei. Viele Menschen seien verletzt und Gebäude zerstört worden.

Beide Länder streiten seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion über die Zugehörigkeit des Gebiets, das hauptsächlich von Armeniern bewohnt wird und sich 1991 von Aserbaidschan lossagte. Die Region im Südkaukasus mit etwa 150.000 Einwohnern wird aber von keinem Staat als unabhängig anerkannt.

(GRAFIK 1117-20, 88 x 114 mm)

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