Conti-Aufsichtsrat stimmt Arbeitsplatzabbau zu

Werksschließungen und Stellenabbau - Arbeitgeberlager überstimmt Arbeitnehmer - Gewerkschaften werfen Conti "Kahlschlag" vor

Trotz Protestaktionen der Beschäftigten hat der Aufsichtsrat des deutschen Autozulieferers Continental den angekündigten Umbauplan samt Werksschließungen verabschiedet. Wie Continental am Mittwoch mitteilte, wurde die Schließung des Reifenwerks in Aachen bis Ende 2021 und des Standorts für Automobilelektronik in Karben bei Frankfurt bis Ende 2024 beschlossen. Auch in Regensburg gebe es "Strukturanpassungen".

"Nach derzeitigem Stand sind keine weiteren vergleichbaren, durch den Aufsichtsrat zustimmungspflichtigen Strukturmaßnahmen an Standorten im In- und Ausland im Strukturprogramm vorgesehen", betonte das Management. Die Gewerkschaften IG BCE und IG Metall erklärten, die Arbeitgebervertreter hätten "das rigide Sparprogramm" gegen die Stimmen der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat abgesegnet. Die gesamte Mannschaft sei schwer vor den Kopf gestoßen, erklärte IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis.

Insgesamt sind von dem Umbau rund 30.000 Arbeitsplätze weltweit betroffen, davon 13.000 in Deutschland, bekräftigte der Autozulieferer. "Das heißt nicht automatisch 30.000 Kündigungen!", erklärte Conti-Chef Elmar Degenhart. Entlassungen seien nur das allerletzte Mittel, zunächst sollten neue Beschäftigungsperspektiven für die betroffenen Mitarbeiter gesucht werden. Nach Auffassung der IG BCE stehen die Arbeitsplätze dagegen vor dem Aus.

Der Conti-Vorstand hatte den wegen der Coronakrise verschärften Sparplan Anfang September angekündigt. Als Grund nannte der DAX-Konzern die mit der Pandemie verschärfte, schon länger anhaltende Talfahrt am Automobilmarkt. Das erste Sparprogramm im vergangenen Jahr war Folge des Umbruchs zu klimafreundlichen Elektroautos, der auf längere Sicht ein Ende des Verbrennungsmotors bedeutet.

Seit Wochen trieben die Pläne des Managements Beschäftigte an mehreren Standorten zu Protestaktionen vor die Werkstore. Am Dienstag hatten Conti-Mitarbeiter mit den Gewerkschaften IG Metall und IG BCE auf einer Kundgebung vor dem Tagungsort des Aufsichtsrats auf dem Messegelände in Hannover gegen die Pläne protestiert. In Aachen warf Nordrhein-Westfalens Regierungschef Armin Laschet (CDU) dem Conti-Management vergangene Woche nach Medienberichten "kalten Kapitalismus" vor, weil das Reifenwerk dicht gemacht werden soll.

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