Corona - Taufstellen-Wallfahrt im Westjordanland unter Beschränkungen

Erstmals nach mehr als 50 Jahren wird Gottesdienst wieder in der Kapelle des örtlichen Franziskanerklosters gefeiert

Die traditionelle Wallfahrt der Katholiken in Israel und Palästina zur Taufstätte "Qasr al-Yahud" am Westufer des Jordan wird wegen der anhaltenden Coronavirus-Pandemie und des seit Freitagnacht verschärften Lockdowns mit starken Einschränkungen stattfinden. Anstatt der üblichen hunderten Gläubigen wurde die Teilnehmerzahl an den Feierlichkeiten zum Fest "Taufe des Herrn" am Sonntag laut Kathpress auf fünf Gruppen mit jeweils zehn Personen begrenzt.

Der traditionelle Besuch des Klosters der Versuchung in Jericho im Rahmen der Feier werde entfallen, hieß es zudem aus dem franziskanischen Ordensbüro in Jerusalem. Erstmals nach mehr als 50 Jahren wird der Gottesdienst unter Vorsitz von Franziskanerkustos Francesco Patton dabei wieder in der Kapelle des örtlichen Franziskanerklosters gefeiert, das im vergangenen Oktober an die Franziskaner zurückgegeben wurde. Das rund eine Million Quadratmeter große Gebiet mit Ländereien von insgesamt acht Konfessionen war 1967 während des Sechstagekriegs evakuiert worden, der Zugang war bis vor kurzem stark eingeschränkt.

Erst 2016 hatten die zuständigen israelischen Behörden zusammen mit der Minenräumorganisation "Halo Trust" mit der Räumung des Geländes von Minen und Sprengstoffresten begonnen. Das Projekt "Land der Klöster" soll nach dem Wunsch des israelischen Präsidenten einst zu einer ökumenischen, jordanisch-israelisch-palästinensischen Insel des Friedens und der Kooperation werden.

Die Wallfahrt der jordanischen Katholiken an die Stätte "Al-Maghtas" am jordanischen Ufer des Jordanflusses entfiel in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie. Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, feierte stattdessen am Samstag an der Stätte im Beisein "einer kleinen Zahl von Priestern, Ordensfrauen und führenden Personen" eine live übertragene Messe. An der Feier nahmen nach Angaben des katholischen Medienzentrums (CCSM) auch der jordanische Tourismusminister Nayef Al-Fayez sowie Parlamentarier teil.

Pizzaballa, der sich noch bis 21. Jänner zu seinem ersten Patriarchalbesuch in Jordanien aufhält, äußerte in seiner Ansprache den Wunsch, das Jahr 2021 möge nach dem Tiefpunkt für den religiösen Tourismus ein "Jahr der Heilung, ein Jahr der Offenheit, ein Jahr des Neuanfangs und ein Jahr der Rückkehr zum normalen Leben" werden. In seiner Predigt rief der Italiener laut CCSM dazu auf, das Gebet in der Familie zu festigen, familiäre Beziehungen zu verbessern und zu "lernen, was die Kunst der Disziplin zu Hause erfordert".

Während in den meisten Ländern am Sonntag nach Epiphanie (6. Jänner) der Taufe Jesu im Jordan gedacht wird, feiern Jordaniens Katholiken das Fest traditionell am 2. Freitag im Jänner. Mit dem Fest endet der Weihnachtsfestkreis.

OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten