Coronavirus - Italien will Schutzmaßnahmen verschärfen

Regierung erwägt laut Medien Ausgangssperre ab 21.00 Uhr

Angesichts einer stark steigenden Zahl von Neuinfektionen in Italien prüft die Regierung in Rom weitere restriktive Maßnahmen im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie. Eine nächtliche Ausgangssperre ab 21.00 Uhr wird nicht ausgeschlossen, wie italienische Medien berichteten. In den öffentlichen Verkehrsmitteln soll die Zahl der Personen an Bord weiter reduziert werden.

Sportzentren und Schwimmhallen könnten geschlossen werden. Die Verordnung könnte auch eine Schließung von Einkaufszentren an Wochenenden vorsehen, schrieb die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera". Bei Feierlichkeiten soll die zugelassene Gästezahl von 30 Personen weiter reduziert werden. Wie italienische Medien berichteten, könnte eine Verordnung mit weiteren einschränkenden Maßnahmen schon am Sonntag verabschiedet werden, nur eine Woche nach den zuvor letzten Restriktionen, die die Regierung eingeführt hatte.

Regierungschef Giuseppe Conte handelt unter dem Druck von 100 Wissenschaftern, die angesichts der zunehmenden Zahl von Infektionen am Freitag einen Appell für eine zusätzliche Verschärfung der Maßnahmen an Staatspräsident Sergio Mattarella gerichtet hatten. Auch der Präsident der süditalienischen Region Kampanien, Vincenzo De Luca, der bereits eine nächtliche Ausgangssperre in seiner Regierung eingeführt hat, drängte die Regierung von Premier Conte zu zusätzlichen Restriktionen. "Wir stehen einen Schritt vor der Tragödie. Wir sollten ganz Italien 30 bis 40 Tage lang schließen und dann sehen, wie sich die Situation entwickelt", forderte der Sozialdemokrat.

Anders sieht die Lage der Präsident der Lombardei, Attilio Fontana. "Wir müssen alles Erdenkliche zur Verhinderung eines neuen gesamtstaatlichen Lockdowns unternehmen. Italien darf nicht wieder lahmgelegt werden", sagte der Spitzenpolitiker der rechten Lega.

Premier Conte will seinem Land einen neuen Lockdown wie im März und April ersparen, der sich negativ auf die Wirtschaft auswirken würde. Der Regierungschef stemmt sich gegen eine neue Schließung der Schulen und der produktiven Aktivitäten und befürwortet eine beschränkte Verschärfung der Schutzmaßnahmen. Zugleich appelliert er an die Bevölkerung zu vernünftigem Verhalten und zum Verzicht auf unnötige Reisen.

In Italien ist die Zahl der Neuinfektionen wieder sprunghaft angestiegen. Allein am Freitag wurden mehr als 19.000 neue Ansteckungen gemeldet. Der Reproduktionsfaktor stieg in mehreren Regionen auf 1,5. 91 Todesopfer wurden am Freitag gemeldet. Befürchtet wird eine starke Belastung des Gesundheitssystems in den stärker von der Pandemie betroffenen Regionen.

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