Coronavirus - Serbien revidierte die Anzahl der Sterbefälle nach oben

Alleine in Belgrad durfte es zwischen März und Juni etwa dreimal so viele Covid-19-Tote als offiziell mitgeteilt gegeben haben

Belgrad hat nun die Zahl der Coronavirus-Toten teilweise korrigiert. Wie Predrag Kon, Mitglied des regierungseigenen Krisenstabes, am Dienstagabend erklärte, habe er festgestellt, dass zwischen März und Anfang Juni die Totenzahl in der Hauptstadt etwa dreimal so hoch wie damals offiziell angegeben liegen dürfte.

Kon stützte sich in seiner Untersuchung auf die Daten der Städtischen Anstalt für öffentliche Gesundheit. Demnach wurden in der gegebenen Zeitspanne in Belgrad 210 Coronavirus-Todesfälle registriert. Weitere 102 Personen sind laut Kon laut Amtsangaben an einer nicht genau definierten Lungenentzündung gestorben. Seiner Ansicht nach dürfte eine bedeutende Anzahl dieser Fälle ebenfalls auf Covid-19 entfallen, erläuterte Kon gegenüber dem TV-Sender "News Max Adria". Laut bisherigen Amtsangaben hat es zwischen März und Juni in Belgrad nur 118 Coronavirus-Tote gegeben.

Darauf, dass die Amtsangaben nicht stimmen dürften, hatte im Juni das Internetportal "Balkaninsight" hingewiesen. Unter Berufung auf die nie veröffentlichten Daten der Regierung berichtete das Internetportal damals, dass zwischen 19. März und 1. Juni in Serbien 632 mit Coronavirus infizierte Personen gestorben seien. Offiziell war für diese Zeit von 244 Toten die Rede gewesen.

Die regierungskritische Öffentlichkeit hatte den Zahlenunterschied mit den Bemühungen der Behörden in Verbindung gebracht, im Juni Parlamentswahlen abzuhalten. Diese fanden am 21. Juni statt. Danach war es auch offiziell zu einem raschen Anstieg der Coronavirus-Krankheitsfälle und Tote gekommen. Inzwischen hat sich die Situation erneut wesentlich verbessert.

Seit dem Beginn der Epidemie wurden in Serbien laut Amtsangaben insgesamt 33.479 Krankheitsfälle und 749 Tote registriert. Am gestrigen Dienstag wurden landesweit 65 neue Krankheitsfälle gemeldet.

Dass es eine Korrektur der Totenzahl geben dürfte, war indirekt auch einem dieswöchigen Bericht der regierungsnahen Tageszeitung "Politika" zu entnehmen. Demnach hat es in den ersten acht Jahresmonaten landesweit 2.071 mehr Tote als in der vorjährigen Vergleichsperiode gegeben. Über die Todesursachen wurden allerdings keine genauen Angaben gemacht.

OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten