Coronavirus - Über die Hälfte der Covid-Intensivbetten in Wien belegt

Entwicklung für Wiener Gesundheitsverbund "Besorgnis erregend" - Kapazitäten lassen sich zwar ausweiten, "aber Neuinfektionen müssen ganz klar runter"

Als "Besorgnis erregend" hat Markus Pederiva, der Sprecher des Wiener Gesundheitsverbunds, am Freitagnachmittag die anhaltend kontinuierlich steigenden Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 bezeichnet, die sich auch in den Wiener Krankenhäusern zu Buche schlagen. Mehr als die Hälfte der derzeit für Covid-19-Erkrankte vorgesehenen Intensivbetten waren am Freitag belegt. Die Kapazitäten lassen sich zwar ausweiten, "aber die Neuinfektionen müssen ganz klar runter", forderte Pederiva.

Derzeit stehen im Bereich des Gesundheitsverbundes in der Bundeshauptstadt 550 Betten für Covid-19-Fälle zur Verfügung, davon 150 auf Intensivstationen, die jederzeit belegt werden können. Von den 150 waren am Freitag allerdings schon 87 besetzt. Von den 400 Normalbetten waren 301 vergeben. Der Versorgungsplan der Stadt Wien sieht vor, dass bei Bedarf maximal eine Verdoppelung dieser Kapazitäten möglich ist, und man sei auch schon im Begriff, diese zusätzlichen Kapazitäten zu schaffen, meinte Pederiva. "Aber halten die Steigerungen bei den Infektionszahlen ungebremst an, kriegen wir in einigen Bereichen ein Problem", gab der Gesundheitsverbund-Sprecher zu bedenken. Elektive Operationen - Eingriffe, die nicht dringlich und aufschiebbar sind - müssten dann verschoben bzw. verlegt werden.

Pederiva appellierte an die Bevölkerung, die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, die am Wochenende verschärft werden, zu beachten: "Die, die sich nicht an die Regeln halten, müssen zur Räson gebracht werden." Die medizinische Versorgung für alle Patienten, die eine Spitalsbehandlung benötigen, müsse gewährleistet bleiben.

Unterdessen gaben die Rudolfinerhaus Privatklinik sowie die Kliniken der PremiQaMed Group in Wien - die Privatkliniken Confraternität, Döbling und Goldenes Kreuz - bekannt, den Wiener Gesundheitsverbund bei der Pandemie-Bewältigung zu unterstützen. Sie übernehmen ab sofort wieder dringende Operationen von Nicht-Covid-Patienten. Die Zusammenarbeit umfasst diesmal zusätzlich zu Operationen auch konservative Behandlungen, beispielsweise im Bereich der internen Medizin. "Damit tragen die Privatkliniken dazu bei, die medizinische Versorgung gemeinsam mit der Stadt Wien abzusichern. Im Rahmen der Kooperation werden Patienten in der allgemeinen Gebührenklasse behandelt, sie brauchen also keine Krankenzusatzversicherung", hieß es in einer Presseaussendung.

"Es ist unser Bestreben, den Operationsbetrieb in allen Kliniken des Wiener Gesundheitsverbunds so weit wie möglich aufrecht zu erhalten. Aber wir müssen Vorsorgemaßnahmen für steigende Infektionsfälle treffen und damit auch entsprechende Bettenkapazitäten vorsehen", hielt Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) fest. Die Zusammenarbeit mit den Privatkliniken habe schon im Frühjahr sehr gut funktioniert: "Es war eine Entlastung für uns, dass wir in der ersten Hochphase der Pandemie so rasch und flexibel einen Schulterschluss geschafft haben. Diese erfolgreiche Kooperation setzen wir nun fort."

"Unser wichtigstes gemeinsames Anliegen ist, unser Gesundheitssystem auch in der Pandemie leistungsfähig zu halten. Die Privatkliniken sind Teil der Gesundheitsversorgung der Wienerinnen und Wiener. Gemeinsam mit der Stadt Wien die größtmöglichen Kapazitäten für medizinisch notwendige Behandlungen bereitzustellen ist für uns ein Gebot der Stunde", betonte Julian Hadschieff, Vorstandsvorsitzender der PremiQaMed Group. Georg Semler, Aufsichtsratsvorsitzender der Rudolfinerhaus Privatklinik, bezeichnete es als "selbstverständlich, in einer prekären Situation, die Stadt Wien mit der medizinischen Kompetenz des traditionsreichen Privatspitals zu unterstützen". Das Rudolfinerhaus sei seit über 130 Jahren in seiner Tradition ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Wiener Gesundheitssystems.

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