Deutsche IG Metall berät über Tarifforderung von bis zu vier Prozent

Vier Prozent für höhere Löhne oder sichere Jobs - Tarifrahmen für Einzelverträge der Unternehmen - Gesamtmetall: Noch kein Verteilungsspielraum in der Krise

Die deutsche Gewerkschaft IG Metall will in der anstehenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie in der Coronakrise höhere Löhne und einen Rahmen für Arbeitszeitreduzierung zur Jobsicherung in kriselnden Unternehmen fordern. Der Gewerkschaftsvorstand empfehle ein Forderungsvolumen von bis zu vier Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, erklärte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann am Montag in Frankfurt.

In den einzelnen Unternehmen sollte auf dieser Basis ausgehandelt werden, wie das Volumen auf höhere Entgelte oder einen Teillohnausgleich bei kürzeren Arbeitszeiten verteilt werden sollen, je nach Lage des Betriebes. "Für uns stehen Beschäftigungssicherung, Zukunftsgestaltung und die Stabilisierung der Einkommen im Fokus dieser Tarifbewegung", erklärte er.

Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger hielt dem entgegen, wegen der Coronakrise gebe es derzeit keinen Verteilungsspielraum in der Branche. "Wir haben schwierige Verhandlungen vor uns", erklärte er, äußerte aber die Erwartung, dass auch dieses Mal eine Einigung gelingen werde.

Die Tarifrunde fällt in eine Zeit, in der die deutschen Unternehmen mehr oder weniger stark unter Geschäftseinbruch in der Coronakrise leiden und zugleich unter großem Druck stehen, sich auf Digitalisierung und Klimaschutz einstellen zu müssen. Diese Transformation gefährdet nach Befürchtung der Gewerkschaft bis zu 250.000 Arbeitsplätze. Eine Arbeitszeitverkürzung mit teilweisem Lohnausgleich betrachtet sie als Instrument, mit dem Unternehmen so viele Beschäftigte wie möglich an Bord halten können. "Ein nicht kleiner Teil nutzt die Krise zu Personalabbau und Strukturveränderung, teilweise zu Standortverlagerungen, die zulasten der Beschäftigten gehen", sagte Hofmann. Deshalb wolle die Gewerkschaft verbindliche Tarifverträge auf Betriebsebene erreichen und keine nur freiwilligen Zusagen der Arbeitgeber. Bei einer Online-Umfrage unter den Mitgliedern zeichne sich ab, dass die Vier-Tage-Woche als Option favorisiert werde.

Die Lohnforderung begründete Hofmann damit, dass es keine Tariferhöhung seit April 2018 mehr gegeben habe. Sie setzt sich aus der Zielinflationsrate der Europäischen Zentralbank von knapp zwei Prozent, etwa einem Prozent Produktivitätszuwachs und einem weiteren Prozent zur Stärkung der privaten Kaufkraft zusammen. Die endgültige Forderung für die wichtigste deutsche Industrie mit ihren mehr als 3,8 Millionen Beschäftigten soll nach Beratungen in den IG-Metall-Bezirken am 26. November beschlossen werden.

"Die Metall- und Elektro-Industrie liegt nach wie vor weit unter dem Niveau, auf dem sie vor Corona und Rezession bereits war", erklärte Dulger. Erst wenn der Einbruch aufgeholt sei, wäre Wachstum möglich. "Und erst ab dann gibt es überhaupt irgendeinen Verteilungsspielraum." Dem Vorschlag des designierten Gesamtmetall-Chefs und Dulger-Nachfolger Stefan Wolf, wegen der verschärften Corona-Lage die ab Mitte Dezember geplanten Verhandlungen zu verschieben, erteilte Hofmann einen Absage. Die Themen Beschäftigungssicherung im Strukturwandel und Entgelterhöhungen stellten sich jetzt. Verhandlungen ohne Gesundheitsrisiken für die Beteiligten seien auch unter Corona-Bedingungen möglich. Das gelte auch für Unterstützungsaktionen der Beschäftigten oder Warnstreiks, die ab 1. März möglich wären.

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