"Die Liebe des Hans Albers": Doku zeigt den Januskopf eines Idols

Der Schauspieler ("Auf der Reeperbahn nachts um halb eins") galt als Draufgänger und Frauenschwarm. Um seine Liebe zur Jüdin Hansi Burg machte der Filmstar in den 30ern jedoch ein Geheimnis

Tausende Menschen nehmen 1960 auf dem Hamburger Friedhof Abschied von ihrem Idol Hans Albers. "Hans geht auf seine letzte Reise, und alle sind sie gekommen", erzählt eine Frauenstimme aus dem Off. "Ein Andrang, als wäre ein König gestorben. Aber das war er ja auch." Die Stimme gehört Hansi Burg, seiner großen Liebe. Eine Jüdin, die er für seine Karriere unter den Nazis verriet, wie das ARD-Dokudrama "Die Liebe des Hans Albers" am Mittwoch (21.45 Uhr) zeigt.

Hans Albers sei ein Süchtiger gewesen und seine eigene Droge, erzählt Burg darin. Und auch sie sei süchtig, "süchtig nach ihm" - auch wenn sie dafür einen hohen Preis zahlen musste. Wer war diese Frau, die den großen Ufa-Star so sehr liebte, dass sie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges trotzdem zu ihm zurückkehrte? Das Dokudrama erzählt - ergänzt von Originalaufnahmen und Ausschnitten aus Albers' Spielfilmen - von der großen Liebe zweier Menschen, die ohne den anderen nicht leben konnten - auch wenn sie unter dieser Liebe definitiv mehr leiden musste als er.

Im Frühjahr 1946 steht Hansi Burg (Picco von Groote) plötzlich vor der Tür von Hans Albers (Ken Duken) am Starnberger See. Acht Jahre lebte sie im Exil, ist mittlerweile Rundfunkreporterin für die britische Armee. Als erstes wirft sie die Frau hinaus, die mit ihm in der Villa lebt. Dann stellt sie ihrem Geliebten unangenehme Fragen: Warum hast du so wenig geholfen? Warum hast du deine jüdischen Freunde nicht gerettet? Warum nicht meine Eltern?

In Rückblenden erzählt der Film (Regie: Carsten Gutschmidt) die beispiellose Karriere des "blonden Hans": Aufgewachsen als Sohn eines Schlachtermeisters in Hamburg, wollte Albers schon früh zum Theater. Heimlich nahm er Schauspielunterricht, zog später nach Berlin, um sein Glück zu suchen. Dort trifft er auch seine Jugendfreundin Hansi Burg wieder. Die beiden sind die perfekte Symbiose: Er der Schauspieler mit dem "unwiderstehlichen Charme", mit einer Schwäche für Frauen, Alkohol und Glücksspiel. Sie die Disziplinierte, die ihn managte und geschickt seine Rollen auswählte.

Nach Theatererfolgen und mehr als 100 Stummfilmrollen spielt Albers 1929 im ersten deutschen Tonfilm "Die Nacht gehört uns" und kurz darauf an der Seite von Marlene Dietrich in "Der blaue Engel". Es folgen Filme wie "Bomben auf Monte Carlo" (1931) und "F.P.1 antwortet nicht" (1932) mit dem berühmten Fliegerlied "Flieger, grüß' mir die Sonne".

Als die Nationalsozialisten an die Macht kommen, redet er sich mit Sätzen wie "Politik interessiert mich einfach nicht" und "der ganze braune Spuk konnte mir gestohlen bleiben" heraus. Tatsächlich verachtete Albers die Nazis, zeigte sich nie an der Seite hochrangiger NS-Funktionäre - die in ihm den blonden Vorzeigearier sahen. Trotzdem drehte er einen Film nach dem anderen - und blendete die verheerenden Folgen des Regimes einfach aus.

Als die Nazis von ihm verlangen, sich von seiner jüdischen Freundin zu trennen, trennt er sich offiziell von Hansi Burg, trifft sich jedoch heimlich weiter mit ihr. Später arrangiert er eine Ehe mit einem Norweger, damit sie Deutschland verlassen kann. Auf die Idee mitzukommen, kam er nicht - dafür konnte er vom Ruhm nicht lassen. "Ich bin kein politischer Mensch. Ich spiele Helden. Aber ich bin keiner. Ich will den Leuten gefallen", stellt er am Ende fest.

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