Ernst Herbeck: Buch-Neuauflage und Archivgespräch zum Hunderter

Gedenken an den 1991 verstorbenen Gugginger Dichter - Veranstaltung im Literaturmuseum am 5. Oktober - 100. Geburtstag am 9. Oktober

Gedichtet hat Ernst Herbeck nur auf Aufforderung und nach Vorgabe eines Titels. Dann aber so, dass etwa dem Autor Clemens J. Setz bei der Lektüre immer wieder die Tränen kommen. Setz hat zu der anlässlich des 100. Geburtstags des 1991 gestorbenen Gugginger Dichters erschienenen, erweiterten Neuauflage des vor sieben Jahren erstmals herausgebrachten Sammelbandes "Der Hase!!!!" das Vorwort geschrieben und diskutiert am Montag (5.10.) im Literaturmuseum über den Autor.

Mit dabei bei dem von Thomas Eder moderierten Archivgespräch vier Tage vor dem Geburtstag des Sprachkünstlers sind Gisela Steinlechner und Johann Feilacher. Die Literaturwissenschafterin ist Herausgeberin des in der Reihe "Österreichs Eigensinn. Eine Bibliothek" im Jung und Jung Verlag neu erschienenen Bandes mit ausgewählten Texten und großteils unveröffentlichten Zeichnungen, der Psychiater war Nachfolger von Leo Navratil, des Begründers des Hauses der Künstler in der Niederösterreichischen Landesnervenklinik Gugging, und ist Künstlerischer Direktor des museum gugging.

In Gugging war Ernst Herbeck 45 Jahre lang Patient. Er wurde mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren und musste sich einigen letztlich erfolglosen, ihn aber traumatisierenden Operationen unterziehen. Setz zeichnet in seinem Vorwort die psychiatrische Vorgeschichte von Herbecks Einweisungen nach und widmet sich ausführlich dem - auch in Heinz Bütlers Film "Zur Besserung der Person" dokumentierten - Schreibprozess und dessen überraschenden Resultaten, die Autoren wie Heinar Kipphardt, Gerhard Roth oder W. G. Sebald beeindruckten und beschäftigten oder Wolf Biermann zu Vertonungen von Gedichten inspirierten.

An die 400 Texte sind in dem 2013 erstmals erschienenen Auswahlband enthalten. "Gerade weil ihm die Sprache so schwer von den Lippen ging, kannte Herbeck sich im Wörtlichen aus wie kein anderer, und es war ihm 'unerlässlich', sich im Medium der Sprache wendig wie ein Trickkünstler und Haken schlagend wie ein Hase zu bewegen", schreibt Herausgeberin Steinlechner. Schon das titelgebende Gedicht "Der Hase!!!!" zeigt, was darunter zu verstehen ist: "Der Hase ist ein kühnes Tier! / Er läuft bis ihm die Strappen / fassen. Die Ohren spitzgestellt; er / lauscht! Für ihn - - - - ist keine Zeit / zum rasten. Lauf läuft läuft. / armer Hase!"

(S E R V I C E - Ernst Herbeck: "Der Hase!!!!", Ausgewählte Gedichte, erweiterte Neuauflage mit einem Vorwort von Clemens J. Setz, herausgegeben und mit einem Nachwort von Gisela Steinlechner, Jung und Jung, 336 Seiten, 32 farbige Abbildungen des Autors, 28 Euro; Archivgespräch am Montag, 5. Oktober, 19 Uhr, Literaturmuseum, Wien 1, Johannesgasse 6, https://www.onb.ac.at/museen/literaturmuseum/)

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