Flüchtlinge - Ärzte ohne Grenzen warnen vor Katastrophe auf Samos

Projektkoordinator sieht "zusammenbrauenden Sturm"

Nach dem verheerenden Brand in dem Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos warnt Ärzte ohne Grenzen (MSF) vor einer Zuspitzung der Lage auf der Insel Samos. Angesichts der gefährlichen Bedingungen und des Anstiegs von Covid-19-Fällen im Lager Vathy auf Samos könnte es zu einer weiteren Katastrophe kommen, warnte der MSF-Projektkoordinator der Insel, Jonathan Vigneron, in einer Aussendung.

"Genug ist genug. Wenn die EU sagt, dass es nie wieder ein Moria geben wird ist das eine Beleidigung für Tausende von Menschen, die unter abscheulichen und gefährlichen Bedingungen in den bestehenden Lagern auf den griechischen Inseln leiden", zeigte sich Vigneron empört. In Vathy versuche Ärzte ohne Grenzen das "ungeheure Leid, das unseren ohnehin traumatisieren Patientinnen und Patienten durch die grausame Abschottungspolitik zugefügt wurde, zu lindern".

In Moria habe man gesehen, "was passieren kann, wenn die Hinweise auf eine sich zuspitzende Katastrophe ignoriert werden und eine tickende Zeitbombe explodiert. In Vathy beobachten wir genau die gleichen Bedingungen wie in Moria, und wir warnen vor einem sich zusammenbrauenden Sturm", erklärte Vigneron. Ärzte ohne Grenzen forderte deshalb die Überstellung der Menschen in sichere Unterkünfte auf dem Festland oder in anderen EU-Staaten.

In dem Flüchtlingscamp Vathy habe Griechenland 4.500 Menschen "wie Tiere hineingepfercht werden", mehr als 1.000 Kinder würden im Dreck und Müll zwischen Ratten und Skorpionen leben, berichtete der MSF-Mitarbeiter. Während der vergangenen Monate habe sich der Gesundheitszustand und die psychische Gesundheit vieler Patienten "enorm" verschlechtert, schilderte Vigneron. Derzeit gebe es über 50 positive Coronafälle, doch keine klaren Informationen von den zuständigen Behörden, wie damit umgegangen werden soll.

Wegen der Verzögerung bei den österreichischen Hilfslieferungen will NEOS-Asylsprecherin Stephanie Krisper indes eine parlamentarische Anfrage einbringen - um herauszufinden, "inwieweit die Regierung sich wirklich darum bemüht, die Zustände für Migrant_innen und Flüchtlinge in Griechenland zu verbessern", so Krisper in einer Stellungnahme gegenüber der APA. An dem Umstand, dass die österreichischen Hilfslieferungen nach zwei Wochen noch immer nicht auf Lesbos angekommen ist, übte sie heftige Kritik. Die Regierung habe "die Kunst der Täuschung perfektioniert: Schön inszenierte PR, doch nichts dahinter". ÖVP und Grüne hätten versichert, für unmittelbare Hilfe in Moria zu sorgen, "doch Hilfe, die nicht ankommt, ist keine Hilfe", so Krisper.

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