"Gott" im TV - Matthes: "Ich spiele Menschen und keine Thesenträger"

Schauspieler gibt in TV-Event zum Thema Sterbehilfe einen Bischof - "Sonst bin ich durchaus meinungsfreudig, aber bei diesem Thema fällt mir das schwer" - Am 4. März in ORF 2

In Ferdinand von Schirachs TV-Event "Gott" prallen unterschiedlichste Meinungen zum Thema Sterbehilfe aufeinander. Eine klare Position bezieht im Stück Bischof Thiel, gespielt von Ulrich Matthes. Im APA-Gespräch erzählte er vor der ARD-Premiere im Herbst von seinem persönlichen Zugang zum Thema, der Entscheidung, seinen Bischof kurz zweifeln zu lassen und seiner Hoffnung, dass das Format zur Diskussion anregt. ORF 2 sendet "Gott" am 4. März im Rahmen eines Themenabends.

APA: Sie spielen den konservativen theologischen Sachverständigen Bischof Thiel, der sich in einem flammenden Monolog gegen Sterbehilfe ausspricht. Was war Ihre Motivation, diese Rolle anzunehmen?

Ulrich Matthes: Das hatte zwei Gründe: Einerseits fand ich die Möglichkeit, darüber nachzudenken, wie wir alle sterben wollen, einfach wahnsinnig interessant. Jeder Mensch beschäftigt sich mit dem Tod individuell. Gesellschaftlich wird das Thema eher verdrängt, zum Teil wird es sogar in Familien vermieden. Dabei wäre es wichtig, wenn man sich ausspräche, wie es wäre, wenn man beispielsweise eine schwere Krankheit hat und man den Leidensprozess abkürzen will. Der zweite Grund: Das Ensemble der Mitspieler war so erlesen, dass es eine Freude war, mit ihnen zu spielen. Auch wollte ich schon lange mit dem Regisseur Lars Kraume arbeiten, ich schätze ihn hoch. Es war eine beglückende Arbeit!

APA: Mit welcher Einstellung zum Thema Sterbehilfe sind Sie in die Dreharbeiten reingegangen und inwiefern hat sie sich durch die Arbeit verändert?

Matthes: Wirklich verändert hat sie sich offengestanden nicht. Wir wurden mitten in den Dreharbeiten vom Urteil des Bundesverfassungsgerichts (über die Aufhebung des Verbots, Anm.) überrascht. Das habe ich spontan begrüßt im Sinne der Selbstbestimmung des Menschen. Dann kommen aber sehr bald auch Fragen, die sich daran anschließen. Was ist mit denen, die in einer persönlichen oder ökonomischen Krise sind? All diesen Menschen billigt das BGH durch dieses Urteil das Recht zu, sich einen Arzt zu nehmen und sich mit dessen Hilfe umzubringen. Das ist doch äußerst komplex. Da muss man auf ein gutes soziales Umfeld der Person hoffen, das Anzeichen einer Depression früh erkennt. Auch das Thema Depression wird ja oft verdrängt. Um ihr Frage kurz und knapp zu beantworten: Sonst bin ich durchaus meinungsfreudig, aber bei diesem Thema fällt mir das schwer.

APA: Wie geht Ferdinand von Schirach in "Gott" mit dem Thema um?

Matthes: Die Qualität unseres Films besteht darin, dass man bei jeder Figur denken kann: "Ganz unrecht hat der oder die nicht." Das ging mir auch beim Bischof so, obwohl ich nicht gläubig bin, aber so eine Position erstmal respektiere. Ich finde es grundsätzlich interessant, mich mit einer Meinung auseinanderzusetzen, die nicht meine ist.

APA: Für einen Moment scheint es so, als würde Ihr Bischof innehalten und seine Position hinterfragen...

Matthes: Aha, interessant! (lacht) Ich spiele ja Menschen und keine Thesenträger! Ich hatte das Gefühl, dass ich diesen Bischof Thiel nicht seiner Sicherheit beraube, indem ich kurz mal aufblitzen lasse, dass auch ein gläubiger Mensch in seinem Glauben zweifelnde Momente haben kann. Ich schwäche die Position dadurch ja nicht, indem ich ihn kurz empathisch für den Herrn Gärtner sein lasse.

(Das Gespräch führte Sonja Harter/APA)

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